Ohne Schmäh
Sängerbiografien tendieren leicht zur Verklärung, verlocken auch seriöse Autoren gern zu romanhafter Ausschmückung oft nur rudimentär überlieferter Fakten. Wenn der Gegenstand der Beschreibung dann auch noch ein populärer Tenor mit einem wechselhaften und in Teilen tragischen Schicksal ist, dann kennt die Fantasie oft keine Grenzen. Richard Tauber ist nicht zum ersten Mal Gegenstand biografischer Bemühungen.
In schlechter Erinnerung ist mir das oberflächliche, klatschsüchtige Opus «Gern hab’ ich die Frau’n geküsst» von Michael Jürgs, vor neun Jahren bei Paul List in München erschienen.
Der neueste Versuch von Evelyn Steinthaler steht auf einem anderen Niveau. Die Autorin, die sich schon in früheren Publikationen mit dem Thema Exil auseinandergesetzt hat, ist keine Opern- oder gar Stimmenspezialistin, aber sie hat gelernt, wissenschaftlich – und das heißt nicht zuletzt: quellenkritisch – zu arbeiten und konnte hier auf Dokumente zurückgreifen, die erst in jüngster Zeit zugänglich gemacht wurden.
Sie betrachtet Tauber nicht in erster Linie als Sänger, sondern als Medien-Phänomen und damit als eine zentrale Figur der Zeitgeschichte, beschreibt seine Rolle im Musik- und ...
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Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Medien/Buch, Seite 35
von Ekkehard Pluta
Wenigstens Serge Dorny war irgendwann beruhigt. Schließlich konnte der Intendant der Oper Lyon das unter «Erledigtes» abheften, was andere so heiß ersehnen: einen Vertrag mit der Unterschrift von Kirill Petrenko. Den beiden Bayreuther Schwestern fehlt nämlich weiterhin das Jawort des Dirigenten (was den «Ring» anno 2013 zur brandgefährlichen Hängepartie macht). Und...
Wenn einer in biblischem Alter noch staunen kann wie ein Kind und wenn er, mehr noch, andere mit der elementaren Kraft dieses Staunens anzustecken, mitzureißen, zu verzaubern versteht, dann ist man versucht, von einer genialen Gabe zu sprechen. Achim Freyer, der große Maler und Spieler, Sinnsucher und Rätselmann, ein Magier des Theaters, der mit fast jeder seiner...
Lewis Carrolls «Alice in Wonderland» ist ein Kinderbuchklassiker, der es in sich hat. In einer Reihe von Traumsequenzen führt der Dichter seine Hauptfigur durch absurde Situationen mit merkwürdigen, zwischen Tier- und Menschengestalt schillernden Protagonisten und nimmt dabei spielerisch die rigiden Erziehungsmaßstäbe der viktorianischen Zeit aufs Korn. Die...
