Zugespitzt

Schreker: Die Gezeichneten
Zürich | Opernhaus

Opernwelt - Logo

Im Vergleich zur Wiederentdeckungswelle der 1980er-Jahre ist es um Franz Schreker deutlich ruhiger geworden – in Zürich wurde zu diesem Komponisten freilich noch einmal ein starkes Wort gesprochen. Zur Saisoneröffnung brachte das dortige Opernhaus «Die Gezeichneten» heraus – und das in einer Produktion, die mit ihren scharfen Kanten neue Deutungswege erkennen lässt.

Ein unbequemer, ja schockierender Abend, der in hochästhetischer Umgebung anhebt: Bühnenbildner Rufus Didwiszus empfängt das Publikum mit einem offenen Raum in dezentem Grau, in dessen Mitte eine Skulptur aus dem klassischen Altertum prangt. Später füllt sich der Raum; er wird zur Glyptothek, die der reiche Adlige Alviano Salvago als sein Elysium eingerichtet hat.

Zugleich fahren jedoch immer wieder herbe Kontraste ins Geschehen. Für das schillernde Vorspiel schlägt die Philharmonia Zürich unter der Leitung von Vladimir Jurowski einen irritierend rauen, bisweilen merklich zu lauten Ton an. Das geht in eins mit dem Versuch des Regisseurs Barrie Kosky, die «Gezeichneten» konsequent zugespitzt als expressionistisches Drama zu zeigen, als ein Stück von 1915, das mit seinen Fragen zu Ästhetizismus und Gewalt, zum ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Peter Hagmann

Weitere Beiträge
Sahnetorte

Und plötzlich ist alles anders. Der Genuss des Genießens hat ein Ende, die zuvor quietschbunte Welt des Rokoko, die sich verwandelt sah in eine Commedia dell’arte-Arena voller Irrationalitäten, steht still. Jetzt hat die Musik das Wort. Präziser: eine Frau, die ehrlich nichts anderes mehr empfinden kann als die necessità del cuore, höchste Herzensnot. Also erfleht...

Dunkle Revue

Zum Prädikat «letztgültig» hat es nicht mehr gereicht. Die «Uraufführung» 1959 in Moskau, sechs Jahre nach dem Tod Sergej Prokofjews, ist eher als Director’s Cut einzuordnen. Und wer weiß, was noch geworden wäre: ein, zwei Bilder weniger? Eine Straffung und Glättung, damit verbunden eine Verharmlosung der Tonsprache? Oder, angesichts des heraufdämmernden...

Impressum November 2018

59. Jahrgang, Nr 11
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752316

Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de



Redaktion
Jürgen Otten, Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)

Redaktionsbüro
Andrea Kaiser | redaktion@opern...