Mehr Oratorium als Oper
Nach der Brüsseler Uraufführung im Jahr 1991 ist John Adams’ zweite Oper «The Death of Klinghoffer» nur selten auf die Bühne gekommen. Im Vereinigten Königreich folgte auf eine konzertante Londoner Aufführung im Jahr 2002 nur noch eine Produktion der Scottish Opera, die 2005 beim Edinburgh Festival gezeigt wurde. Erst jetzt, fast einundzwanzig Jahre nach der Uraufführung, wurde die Oper auch in London szenisch realisiert.
Die Voraussage, es könne neuerlich zu Protesten kommen, hat sich nicht bestätigt; lediglich ein einsamer Demonstrant hatte sich zur Premiere mit einem Plakat vor dem Londoner Coliseum eingefunden, eifrig gefilmt von Kamerateams gleich mehrerer TV-Sender.
Zwei Jahrzehnte, nachdem die Debatten um «The Death of Klinghoffer» entbrannten, schien die von Tom Morris eindrücklich in Szene gesetzte und dem auf Musik der Gegenwart spezialisierten Dirigenten Baldur Brönnimann adäquat geleitete Neuproduktion vor allem eines zu beweisen: dass die Problematik der Oper langfristig eher ästhetischer denn politischer Natur sein dürfte. Denn der Terrormord an dem im Rollstuhl sitzenden jüdisch-amerikanischen Touristen – die Tat markiert im Grunde die einzige Aktion auf der Bühne – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 41
von George Hall
Endlich! Eine zwei CDs umfassende Sammlung mit Aufnahmen eines der feinsten lyrischen Baritone der Sechziger- und Siebzigerjahre: Barry McDaniel. Der 1930 in Kansas geborene Amerikaner gehört in das Molto-Triste-Kapitel über Sänger höchsten Ranges, denen der Weg ins Studio der großen Firmen aus wohlbekannten Gründen («Alles, was du bist, bist du nur durch...
Es war eine Zufallsbegegnung, die Henri Dutilleux und Renée Fleming in einem Studio von Radio France zusammenführte und die Idee einer Auftragsarbeit zeitigte. Geraume Zeit später wurde die Sängerin für die Uraufführung von «Le Temps l’horloge» eingeladen, in der ersten Version drei Lieder, die im Dezember 2006 unter James Levine uraufgeführt wurden. Die Endfassung...
Händels «Alessandro» muss für jeden Regisseur ein Alptraum sein. Trotz kriegerischer Auseinandersetzungen und politischer Verschwörungen geht der Griechenkönig Alexander auf seinem Indienfeldzug ausschließlich seinen amourösen Neigungen nach. Während er Rossane, die ihn liebt, hinhält, versucht er seinem indischen Widersacher Tassile die Braut Lisaura auszuspannen....
