Paris: Nervöse Klage
Norma, Amina, Lucia, Elvira: Frauengestalten, deren seelischer Seismograph empfindlich ausschlägt und bei Schockerfahrungen zerbricht. Deren psychotische Schübe, deren Wahnsinn sich in halsbrecherischen Koloraturen, mezza-voce-Fäden, fein gesponnenen Passagen entäußert. In Form nervös zitternder Klagegesänge aus einem Reich zwischen Traum und Wirklichkeit. Als «Selbstgespräche» unglücklicher Frauen hat Edita Gruberova einmal diese unendlich scheinenden Linien bezeichnet.
In Vincenzo Bellinis «I puritani» wird Elvira dadurch aus der Bahn geworfen, dass Arthur, ihr Gatte in spe, kurz vor der Hochzeit mit einer anderen flieht. Dass der als Parteigänger der Königstreuen damit die Witwe des enthaupteten englischen Königs retten will, weiß sie da noch nicht. Fortan lebt sie in einer Traumwelt, ihr berühmtes «Qui la voce sua soave» richtet sie an eine Fantasiefigur. Dieses Paradestück des Belcanto gelingt Maria Agresta in der Pariser Neuinszenierung von Laurent Pelly mit ihrem eleganten, geschmeidigen und sauber fokussierten Sopran wunderbar farbig. Überhaupt durchlebt sie ihre emotionalen Achterbahnfahrten mitreißend, auch wenn die nicht immer eine dramaturgisch schlüssige Wendung nehmen ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Mathias Nofze
Bei einem Großformat wie «Parsifal» summieren sich künstlerische Entscheidungen zu ansehnlicher Lebenszeit: Was Pierre Boulez 1970 in gut dreieinhalb Stunden verhandelte, dafür ließ sich James Levine 1990 eine geschlagene Stunde mehr Zeit. Von Richard Strauss stammt das Bonmot, der Meister habe «Parsifal» schon sehr langsam komponiert, dazu brauche man nicht durchs...
Mit einem Schrei der Senta wird der Zuschauer in die Pause entlassen. Der Regisseur Alexander Nerlich legte sie auf den Beginn des Finales zum zweiten «Holländer»-Akt, wo der geheimnisvolle Mann erstmals in Sentas Blickfeld tritt, genauer: wie von einer unsichtbaren Macht auf die Bühne geworfen wird. Nerlich geht es in dieser Geschichte vor allem um den Einbruch...
Frau Damrau, die Mailänder Scala hat Sie für ihre neue «Traviata» gebucht. Es heißt, Sie wollten die Violetta schon immer dort singen...
Ja, klar, seit ich mit zwölf im Fernsehen den Zeffirelli-Film mit Teresa Stratas und Plácido Domingo sah. Das hat mich damals richtig über den Haufen geworfen. Später meinte meine erste Gesangslehrerin Carmen Haganu, man müsse...
