Noch mal im Ring
Das jährlich stattfindende Künstlertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft in der Heimat des großen Bassisten ist längst zur Institution geworden. Hier kommen Weltklasse-Sänger von einst zusammen, um über Erfahrungen (von gestern und heute) zu sprechen, aber auch, um dem Nachwuchs zuzuhören. In diesem Jahr fiel die Gästeliste besonders prunkvoll aus.
So waren (wo sonst wäre so etwas möglich?) viele Protagonisten des legendären Bayreuther Chéreau-«Ring» von 1976 angereist: Gwyneth Jones (Brünnhilde), Donald McIntyre (Wotan), René Kollo (Siegfried), Hannelore Bode (Sieglinde), Ortrun Wenkel (Erda), Franz Mazura (Gunther). Bei einem Podiumsgespräch unter Leitung von Thomas Voigt war vom Glück, aber auch vom schweren Start dieser Produktion die Rede. Ein Teil des vormittäglichen Podiums galt Franz Mazura allein – aus Anlass seines 90. Geburtstags. Der Jubilar verblüffte mit ungebremster Schlagfertigkeit und präzisem Erinnerungsvermögen. Wenige Tage vorher stand er noch in Berlin auf der Bühne. In Ölbronn kommentierte er jetzt die Arbeit mit großen Regisseuren und Dirigenten – immer aus der Sache heraus und ohne Selbstgefälligkeit. Zu den Ehrengästen gehörten Prominente aller Stimmlagen. ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Stephan Mösch
Wolfgang Rihms Kammeroper «Jakob Lenz», Geniestreich des 27-Jährigen, deren Handlungsgerüst Georg Büchners Erzählung folgt, gehört seit ihrer Uraufführung 1979 zu den meistgespielten Werken des modernen Musiktheaters. Ihr Erfolg beruht nicht zuletzt auf der moderaten Besetzung – drei Solisten, elf Instrumentalisten, sechs Vokalstimmen –, die auch kleineren Häusern...
Meyerbeer und die Grand opéra – in der Musikwissenschaft sind das inzwischen vielbeachtete und -bearbeitete Themen. Die Initialzündung gab 1991 ein Symposium in Thurnau. Seither vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht mindestens eine Konferenz irgendwo auf der Welt speziell den Komponisten oder sein Genre in den Fokus nimmt. Zum 150. Todestag des Berliners taten das...
Draußen scheint der Kampf noch in vollem Gang. Eine Sirene ertönt. Es fallen Schüsse. Ein ewiger Aufschrei, unterbrochen allenfalls von den Marschtritten unzähliger Soldaten. Drinnen im Theater dagegen Totenstille. Erst nach und nach erheben die Gefallenen ihre Stimmen, wortlos weinend in der Finsternis, die sie umgibt. Sie steigen nicht aus den Gräbern, die nach...
