Unbehaust, heimatlos

Braunschweig | Wagner: Tristan und Isolde

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Wer sich so nach dem Tod sehnt wie Tristan kann in dieser Welt immer nur ein Unbehauster, Heimatloser bleiben. Gefangen in einer Zwischenwelt, einem Umzug, der nicht enden will. Als solchen Umzug inszeniert Regisseurin Yona Kim, 2011 für den Deutschen Theaterpreis «Der Faust» nominiert, Wagners Oper in Braunschweig: Plastikplanen hängen von der Decke, überall verpacktes Mobiliar, alles ist provisorisch und bereit, auf die Reise zu gehen. Auch Isolde selbst reist in haushoher Kiste an: die Königstochter als Möbelstück, fertig für den Versand an König Marke.

Im zweiten Akt, die neue Wohnung: Statt Fackel knipst Isolde eine noch verpackte Ikea-Lampe aus. Sie ist bereit für die Liebesnacht, doch die findet bekanntlich auf Markes Burg statt, was die Situation für Tristan unerträglich macht. Den leidenschaftlichen Ausbrüchen im Orchester zum Trotz kauert er ängstlich, verstört in der Ecke. Als in der Mitte der Szene Brangänes Ruf herüberweht («Habet acht! Bald entweicht die Nacht»), fließt eine bleiähnliche Flüssigkeit in langen Fäden die Wand hinunter. Sein Herzblut?

John Uhlenhopp ist von Beginn an ein müder Held, der diese Welt eigentlich schon längst hinter sich gelassen hat, davon ...

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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Udo Badelt

Weitere Beiträge
Im Focus Dezember 2011

Das «Opernhaus des Jahres» hat sich zum Saisonstart etwas einfallen lassen: George Enescus
«Œdipe» ist ein aufwändiges Stück, das seine Zuschauer und Zuhörer keinesfalls sofort umarmt. Entsprechend selten sind die Aufführungen. La Monnaie in Brüssel wagt eine Neuproduktion. Seltene Koinzidenz in Baden-Württemberg: In Karlsruhe und Stuttgart sind mit dieser Spielzeit...

Was kommt, Impressum

52. Jahrgang Nr. 12

Opernwelt wird herausgegeben
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe war
der 10.11.2011

Redaktion:

Stephan Mösch
Albrecht...

Editorial Dezember 2011

Ich ist ein anderer. Das gilt nicht erst seit der Romantik. Die Beobachtung hat schon immer zur Kunst geführt. Als Aufschrei, als Staunen, als Sehnsucht. Auch in der Musik natürlich. Und auf der Bühne. Wobei das Sängerleben einer doppelten Perspektive folgt: Wer seine Stimme gefunden hat, hat seine Identität gefunden.

Eines bedingt das andere. Und beides braucht...