Dreigroschengeschichte, ernst genommen

Christof Loy und Nina Stemme überraschen und überzeugen mit Puccinis «La fanciulla del West» in Stockholm

Opernwelt - Logo

Minnie reitet wieder. Auf einer Leinwand prescht sie durch die Prärie, während im Orchestergraben wilde Fortissimo-Arpeggien tosen, zwischen Dur und Moll changierende Akkorde, gefolgt von fallenden Ganztonketten. Die kurze Introduktion zu Puccinis «La fanciulla del West» als Vorspann wie zu einem Stummfilm-Western mit Live-Musik. Dann schwingt sich die Titelheldin vom Pferd und stürmt auf die Kamera zu, um gleich darauf – coup de théâtre – höchst real durch eine Papierwand an der Rampe zu brechen.

So holt Nina Stemme sich den ersten donnernden Applaus ab, noch ehe sie einen Ton gesungen hat.

Man ist verblüfft. Dies als Beginn einer Aufführung, deren Spielleiter Christof Loy heißt. Eher war eine szenische Gegenaktion zur Kolportage-Story zu erwarten, ein Kommentar zur Handlung etwa, wie bei Loys Plattenstudio-Version von «Frau ohne Schatten» vergangenen Sommer in Salzburg. Oder gar eine Ansiedlung im abstrakten Raum der condition humaine wie bei der auf das Essenzielle reduzierten Inszenierung von Bergs «Lulu» an Covent Garden vor zweieinhalb Jahren.

Möglich wäre es. Denn der «Wilde Westen» kommt in der «Fanciulla»-Partitur kaum vor; Jesse James hätte sein Pferd zu dieser Musik ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Bigger than life

Erich Wolfgang Korngolds Oper «Die tote Stadt» ist ein Reißer sondergleichen, mit allen Ingredienzen einer Erfolgsoper, und ganz zu Recht neuerdings wieder viel gespielt. Allerdings verbindet sich mit diesem Werk auch ­einer der traurigsten Opernmitschnitte, vergleichbar nur mit den Aufnahmen der letzten öffentlichen Auftritte von Maria Callas. Die Doppelrolle des...

TV-Klassiktipps

ARTE
1./7./13.2. – 6.00 Uhr
Das Trio Wanderer                                                                                       interpretiert Liszt und Chopin.

2.2. – 6.00 Uhr
Flötenkonzert zum 300. Geburtstag Friedrichs d. Gr.
Kammerphilharmonie Potsdam, Trevor Pinnock. Solist: Emmanuel Pahud.

3./9.2. – 6.00 Uhr
Lang Lang spielt Liszt.
Liebestraum, Paganini-Etüden u....

Editorial, Februar 2012

Preise zu melden ist normalerweise eine Sache für den Info-Teil der «Opernwelt»-Hefte. Doch in diesem Fall müssen wir eine Ausnahme machen: Die Gesangsabteilung der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt ist mit dem «Hessischen Hochschulpreis für exzellente Lehre» ausgezeichnet worden. Sie erhält damit den höchstdotierten deutschen Hochschulpreis...