Europäisches Format
Das Kammerduett. Es war die Form, die ihm vielleicht am besten lag. Zwei Stimmen plus Cembalo, Laute(n) und Gambe – das reichte, um in so zuvor noch nicht gemischten Farben auszudrücken, was er in sich hörte. Agostino Steffani, 1654 im Veneto geboren, schöpfte vor allem aus Quellen des 17. Jahrhunderts, doch die fand er nicht nur in Italien, sondern auch in Frankreich und in deutschen Landen.
Als Priester, Diplomat und Musiker war er in Europa weit herumgekommen, hatte französische (Tanz-)Muster ebenso studiert wie die Kniffe des von Sachsen bis Hamburg und Lübeck geschätzten Kontrapunkts – und beides mit italienischen Modellen verschnitten. Dass Händel die (fast ausnahmslos vor 1702 entstandenen) Duetti da Camera des um 30 Jahre Älteren zum Anlass nahm, selber eine Reihe solcher Duette zu komponieren, hatte gewiss auch mit dem «europäischen» Klang dieser intimen Kantaten zu tun, mit dem gleichsam polyglotten Eklektizismus einer Musik, die in ihrer unorthodoxen Mischung historischer Paradigmen neue Horizonte aufzuzeigen schien.
Wenn man den sechs Kammerduetten von Steffani lauscht, die der Cembalist Aarón Zapico und sein Ensemble Forma Antiqua mit der Sopranistin Eugenia Boix und ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Albrecht Thiemann
Dass man diesen ungekürzt gegebenen, fast vier Stunden dauernden »Mathis« sofort noch einmal hören möchte – das ist zunächst einmal Markus Marquardt zu danken, der bereits dem mordenden Goldschmied Cardillac (2009 unter Fabio Luisi, in einer Inszenierung von Philipp Himmelmann) am Uraufführungsort prägnant Stimme und Gestalt verliehen hatte, und nun Mathis, diesen...
Blutüberströmt liegt die Leiche des jungen John im Bett. Als sich die wütende Meute aus dem Dorf dem Haus des Fischers Peter Grimes nähert, hat der sein nächstes Opfer längst geschlachtet. Grimes scheint verwirrt, spricht noch mit dem Gehilfen. Montagu Slaters Libretto erzählt die Geschichte etwas anders, da lebt der Junge noch. Doch in Tilman Knabes Dortmunder...
Die Rolle passt ihr wie ein Handschuh, sagte Jonas Kaufmann kurz vor der Münchner «Manon Lescaut»-Premiere im November 2014, nachdem Anna Netrebko die Titelpartie geschmissen hatte und Kristine Opolais für sie eingesprungen war. Opolais und Kaufmann hatten das vom Abbé Prévost literarisch und von Puccini musikalisch ausgeformte Liebespaar zuvor bereits am Royal...
