Elegie der Vergeblichkeit
Wer je einen Marthaler-Abend zu ordnen, zu verstehen, zu erspüren versuchte, weiß es: Es gibt die aktive Marthaler-Familie, die oben auf der Bühne, von Christophs Geist beseelt, in unendlicher Geduld, von good vibrations beflügelt, nach der einen und richtigen Lösung sucht. Und es gibt die passiven Familienmitglieder, die im Parkett jedem Schritt die Nähe zur Bedeutsamkeit ansehen. Zu denen würden wir gern zählen.
Tun wir aber nicht.
Und so sitzen wir im Basler Theater und rätseln uns ein Loch in den Bauch, kommen letztlich aber auch wieder zu der Erkenntnis, es beim stillen Genießen zu belassen. Mal ertappen wir uns auch beim Gähnen, meistens aber nicht – zu kurios, zu hintersinnig ist all das, was diese Nachtwandler des Theaters uns vorspielen. Sie tun's diesmal in einem Doppeltreppenhaus der immerwährenden Moderne (Bühne: Duri Bischoff), einem Stiegengebilde, das ohne jede Funktion, also völlig sinnlos ist und ins Nirgendwo führt, es sei denn, die Akteure können die Milchglastüren dazu bewegen, sich im rechten Moment tatsächlich zu öffnen – aber gegen die Wand zu laufen ist ja auch eine Möglichkeit.
Treppauf, treppab geht’s also in Basel, geschäftig und schleichend, automatisch ...
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Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Heinz W. Koch
Jean Cox debütierte 1951 an der New England Opera Boston als Lenski im «Eugen Onegin», sang 1954 beim Festival von Spoleto den Rodolfo in «La Bohème» und war 1954 und 1955 als lyrischer Tenor am Theater von Kiel engagiert. Dort, sowie in den Folgejahren bis 1959 in Braunschweig, erarbeitete er sich viele Partien, u. a. Xerxes, Cavaradossi, Lohengrin und Otello. Von...
Er kann es. Auf der Bühne ist Mariusz Kwiecien ganz bei sich. Als ob das Spiel, die Entäußerung coram publico eine Kraft sei, die den Körper inspiriert, die Stimme elektrisiert und unter Spannung hält. Ihr den letzten Kick gibt, den siebten Sinn für die innere Wahrheit einer Rolle oder Figur. Egal ob Kwiecien (immer wieder) das Geheimnis von Mozarts dissoluto...
Logischer, behutsamer lässt sich eine Karriere nicht entwickeln. Sozialisiert wurde er als lyrischer (Oratorien-)Bariton, sein Material ließ er dann reifen mit härterer Opernkost, schließlich folgte der Sprung nach Bayreuth (Beckmesser) und mit Strauss’ Barak auch ins Heldenfach: Grenzübertritte waren das nie, was Michael Volle unternommen hat. Und so liefert auch...
