Trau, hör, wem?
Die «Pantoffel-Oper» sei Verrat am Musiktheater, räsonierte ein Purist kürzlich in freundschaftlicher Runde. Aus ästhetischen Gründen. Zu wenig vertrauenswürdig die Mikrofone, zu nahe die Kamera. Und ein Feind der Fantasie, die sich beim Hören von CDs eine eigene Bühne baue. Freilich erkennt man dank Großaufnahmen manchmal auch Details, die aus der Parkett- oder Rang-Perspektive vielleicht untergehen.
Wie hat man Peter Stein angegriffen für seine allzu konventionelle Inszenierung von Verdis «Don Carlos» bei den Salzburger Festspielen! Im Close-up offenbaren sich nun Details, die die Handlung logischer und plausibler erscheinen lassen; insgesamt ist freilich der Eindruck eines Besuchs im Wachsfigurenkabinett der Geschichte nicht ganz zu vermeiden.
Musikalisch erscheint indes hier manches gelungener, als man es live in Erinnerung hat. Die Wiener Philharmoniker wirken weniger laut. Alles scheint schmiegsamer und differenzierter – ganz im Sinne Antonio Pappanos – als selbst in der TV-Übertragung, wobei diese DVD auf den Aufzeichnungen des ORF beruht. Ergebnis sorgfältiger Nachbearbeitung? Oder doch Resultat unterschiedlicher Tages-Dispositionen des Hörers? Schienen Anja Harteros und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Gerhard Persché
Am 22. Juli 1914, einem Mittwoch, wurden die Bayreuther Festspiele mit dem «Fliegenden Holländer» eröffnet. Inszenierung und Bühnenbild stammten von Siegfried Wagner, der auch dirigierte. Für die Festspiele waren noch der «Ring des Nibelungen» unter dem Dirigat von Michael Balling und der «Parsifal» unter Karl Muck geplant. Vorgesehen waren insgesamt 20...
Snape Maltings mag von herrlicher Natur umgeben sein – als Spielort für naturalistische Inszenierungen eignet sich die alte Mälzerei, die Benjamin Britten für sein Festival zur Konzerthalle umbauen ließ, eher weniger. Regisseur Neil Bartlett versucht sich daran gar nicht erst. Er lässt die Kulissen von einer neunköpfigen Schlägertruppe umräumen. Hölzerne Stellwände...
Die Wiederentdeckung des Opernschaffens von Walter Braunfels hat mit der begeisternden Inszenierung seines Hauptwerks «Die Vögel» in Osnabrück gegenüber den vorausgegangenen Stationen seit der posthumen Uraufführung seiner «Jeanne d’Arc» in Berlin (siehe OW 8/2008) einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Regisseurin Yona Kim und der junge Osnabrücker GMD Andreas Hotz...
