Es lebe der Diskurs!
Alles auf einmal wollen. Alles ausprobieren. Warum nicht? Leben besteht daraus: schauen, was geht, mal vor, mal zurück. Erst recht auf der Opernbühne des Als-ob-Lebens. Im Speziellen: an der Oper Halle. Die Dramaturgin kündigt an, die «Aida» sei auch ein Experiment. Gefühle sollen in Wallungen geraten. Wohlige Vorfreude breitet sich aus, zumal hier, wo Florian Lutz sich mit seinem Team daran macht, den leicht bekömmlichen Operngenuss zu Grabe zu tragen.
Das Publikum wird mit einem Video eingestimmt. Es verdeutlicht das Oberthema, das Regisseur Michael v.
zur Mühlen in Verdis Oper liest: Ausgrenzen der Fremden, Nicht-Gleichen, sprich: Aktualität. Wie sehen verschwommene Bilder eines Busses: «Reisegenuss» steht, in Versalien, auf seiner Anzeige. Ein Hohn, wir kennen die Bilder der Geflüchteten, die mit dem Bus in Clausnitz, Deutschland, ankommen und vom rechten Mob brutal angebrüllt werden. Dazu Stimmengemurmel: «Mein Mitmensch, mein Bruder ... eigenes Leben in Angriff nehmen ...».
Pappkulissen werden heruntergelassen, viel Gold, Palmen, altägyptische Exotik, so wie man sich das vorstellt – und wovon im Libretto die Rede ist. So sah die Bühne 1880 in Paris aus, bei der ersten ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Nora Sophie Kienast
Die Kombination so reizvoll wie plausibel. Sowohl in Luigi Dallapiccolas «Il Prigioniero» von 1948 als auch in Wolfgang Rihms Einakter «Das Gehege» – der noch 2006, bei der Münchner Uraufführung, mit Strauss’ «Salome» verkoppelt wurde (siehe OW 12/2006), spielt das Gefangensein, eine Folter namens Hoffnung, die zentrale Rolle. Hier der Mann: Seit einer halben...
Es war einer der letzten Kompositionsaufträge, die Gerard Mortier vergeben sollte. Eine fantastische Oper für das Teatro Real in Madrid. Maßgeschneidert für Spaniens bedeutendstes Musiktheater. In einem Idiom, das in iberischen Traditionen wurzelt und zugleich in die Welt ausgreift. Mit einem scheinbar vertrauten Sujet, das die Grenzen des Gewohnten sprengt.
Das...
Dieser dreieinhalb Tonnen schwere, entwurzelte Stamm: ein wahrhaft gewichtiges Symbol der Unterdrückung. Am Schluss schwebt das Ungetüm, von mächtigen Winden in die Höhe gewuchtet, gen Decke davon: Die Schweiz ist frei. Nach Palermo kam der Baum aus London, wo er in Damiano Michielettos provokanter «Guillaume Tell»-Inszenierung an Covent Garden seinen ersten...
