Schlaglichter
Mehr und mehr gehen die großen Opernhäuser dazu über, ausgewählte Neuinszenierungen durch Symposien zu vertiefen. Solche Begegnungen zwischen Wissenschaft und Praxis sind nützlich, auch wenn sie oft nur geringes Publikumsinteresse finden. Ob freilich die dort präsentierten Referate hinterher auch in Buchform dokumentiert werden müssen, darf angesichts dreier Neuerscheinungen zumindest gefragt werden.
Die Wissenschaft dominiert in dem Band, der ausgewählte Vorträge zu Hector Berlioz‘ «Les Troyens» und Ludovic Fromental Halévys «La Juive» versammelt, die auf einem von der Staatsoper Stuttgart veranstalteten Symposium aus Anlass der Premieren beider Werke in der Spielzeit 2007/08 gehalten wurden. Das geht, vor allem bei Berlioz, oft sehr ins erbsenzählende Detail – etwa über die politischen Implikationen des ursprünglichen Endes der «Trojaner» (Peter Bloom), die italienische Formensprache (David Charlton) oder die orchestralen Ressourcen an der Pariser Opéra (Hugh Macdonald). Aufschlussreicher für die Theaterpraxis sind dagegen die Überlegungen Pierre-René Sernas, ob Berlioz mit «Les Troyens» tatsächlich einen Gegenentwurf zur Grand Opéra geschrieben hat: «Ja, weil sich ‹Les Troyens› ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Medien | Bücher, Seite 37
von Uwe Schweikert
Auch eine Gesellschaftsdame kann einsam sein. Und umgekehrt: Manche Einsame träumt sich ihre Gesellschaft zusammen – und eine Liebesgeschichte dazu. In Hannover gibt Violetta Valéry keine turbulenten Feste, nascht nicht von der Idylle des Landlebens und kehrt auch nicht in die Pariser Demimonde zurück. Hier ist sie allein zu Haus und wird es bleiben. Dafür sorgt...
Die Entstehungsgeschichten von «Krieg und Frieden» als Roman und als Oper weisen verblüffende Parallelen auf. Als Tolstoi begann, schwebte ihm eine Familienchronik mit Happy End vor. Die Dynamik jener historischen Periode, in der er das Geschehen ansiedeln wollte, führte aber zur allmählichen Weitung der Perspektive aufs große Ganze: Napoleons Russlandfeldzug, der...
Die Idee leuchtet ein: Da Wagner zur Entstehungszeit seines «Tannhäuser» mit den Gedanken des Anarchismus mehr als nur liebäugelte, überträgt Tobias Kratzer in seiner Bremer Inszenierung des Werks diese Idee auf den Venusberg. Woraus sich zunächst einige spannende Szenen entwickeln. Etwa die eines Banküberfalls, dessen Dramatik sich genau dem Erregungsgrad des...
