Geschlossene Gesellschaft
«Alles steht und fällt mit der Medea» – eine Binsenweisheit für jede Aufführung von Euripides’ Tragödie. Sie gilt natürlich auch für Luigi Cherubinis gleichnamige Oper von 1797. Francesca Zambello, Intendantin des Glimmerglass Festivals, traf eine glänzende Wahl, indem sie mit Alexandra Deshorties eine bemerkenswerte Sängerdarstellerin engagierte. Die Stimme der jungen Franko-Kanadierin besticht durch geschmeidige Dynamik und eine an Mozart geschulte Geläufigkeit, die sie bereits als Elettra und Fiordiligi an großen Häusern hören ließ.
Freilich hört man ihr auch an, dass sie durch Überbeanspruchung gefährdet ist. Im Forte neigen Deshorties’ Spitzentöne zum Schrillen oder werden scharf angerissen. Sei’s drum: Wie sehr ihre Art der Tonproduktion Gesanglehrern auch die Haare zu Berge stehen lassen mag, ist sie doch keineswegs nur ein Zufallsprodukt. Die Sängerin erzielt so – koste es, was es wolle – genau die Extreme, die sie sich vorgenommen hat. In diesem Sinne gelang es Alexandra Deshorties durchaus eindrucksvoll, ihre ganz eigenen Ansprüche geltend zu machen.
Wo man schon mal eine frankophone Künstlerin zur Hand hatte, wäre es nahe liegend gewesen, die Gelegenheit zu nutzen, um dem ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Panorama, Seite 66
von David Shengold
Aufnahmen im Mehrkanalton-Verfahren tendieren oft zu einer gewissen Weichzeichnung. Der Klang ist räumlicher, aber oft auch weniger scharf konturiert. Man mag das bedauern, doch dem «Parsifal», der im Dezember 2010 mit den Philharmonikern des Niederländischen Rundfunks unter Jaap van Zweden anlässlich einer konzertanten Aufführung in Amsterdam mitgeschnitten wurde,...
Franz Liszt kam von einer Luxemburg-Reise nach Bayreuth, mitten in der Festspielzeit. Über seine Besuche der Vorstellungen von «Parsifal» am 23. Juli 1886 und «Tristan» am 25. Juli divergieren die Meinungen. Während Oliver Hilmes diese Besuche nur erwähnt, stellt Michael Stegemann sie in einen Kontext. Liszt-Tochter Cosima, verwitwete Wagner, soll gesagt haben: «Es...
Mein lieber Schwan! Eigentlich taucht das Federvieh in Wagners «Lohengrin» erst gegen Mitte des ersten Akts auf. In Roman Hovenbitzers Inszenierung für das finnische Opernfestival in Savonlinna hat es seinen ersten Auftritt schon vor der Ouvertüre. Ein kleiner Junge hantiert an einem Wasserbecken mit einem Spielzeugschwan, und als nach längerem stummen Spiel das...
