Ironisches Doppelspiel

Die belgische Koloratursopranistin Jodie Devos exzelliert mit einem Offenbach-Album

Opernwelt - Logo

Ein Lächeln, hinter dem sich eine unversehrte Vergangenheit verbirgt: Wir können uns nicht erinnern, wo wir diesen sinngemäß rekapitulierten Satz gelesen haben. Stammt er aus Pascal Merciers «Klavierstimmer»? Auf jeden Fall blieb er in sicherer Erinnerung und fällt uns beim Anhören von Jodie Devos’ Recital «Offenbach colorature» ein.

Die junge Belgierin mit der so stupend geläufigen, zugleich elegant tönenden Gurgel hat sich mit der Suchmannschaft von Palazzetto Bru Zane zusammengetan und präsentiert in diesem Album Fundstücke aus dem weiten Offenbach’schen Operettenland, vor allem aus jenen Départements, die auf der diesbezüglichen Landkarte noch immer eher weiß sind.

Wobei Devos nicht nur Charme, Verve und Virtuosität ins Spiel bringt, sondern zugleich mit viel tongue in cheek auf das ironische Doppelspiel verweist, das der in Frankreich naturalisierte Kölner in seiner Musik trieb. Beispielsweise in Corillas «Les plus beaux vers sont toujours fades» aus «Vert-Vert», in der sich eine Sängerin über ein borniertes Publikum mokiert, das oft zu blöd wäre, Texte zu verstehen, und sich bloß auf die Rouladen konzentriert. Einzig in den Garnisonsstädten wisse man singende Damen richtig ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Ohne Strom

Vielleicht waren die Erwartungen (vor allem unsere) zu hoch geschraubt, wog der Ballast der Rezeptionsgeschichte zu schwer, wirkte der unbedingte Wille, Neues, Anderes, Außerordentliches schaffen zu wollen, wie eine Bremse für die Inspiration. Und vielleicht steckte schon im konzeptuellen Ansatz dieses Abends das hinterhältige Teufelchen. Traurige Erkenntnis ist...

Dramatisch härter

In Verdis Entwicklung nimmt die Vertonung von Shakespeares «Macbeth» eine Schlüsselstellung ein. Mit ihr stellte er 1847 zum ersten Mal die überkommene Form des italienischen Melodramma infrage und versuchte «die Musik mit dem Drama zu verschmelzen». Eine Oper ohne Liebeshandlung mit nur zwei Hauptdarstellern und dem Chor im Zentrum war für die italienische Bühne...

Reise ins Innere

Nach «Celan» (2001) und «Hölderlin» (2008) hat Peter Ruzicka auch in seinem jüngsten Bühnenwerk mit dem jüdischen Philosophen und Schriftsteller Walter Benjamin das Schicksal einer exemplarisch an Deutschland zerbrochenen Existenz ins Zentrum gestellt. Yona Kims Libretto fokussiert ihn am point of no return: dem spanischen Grenzort Portbou, wo Benjamin auf der...