Quadratur des Kreises
Ohne den notorischen BIC-Stift, der ihm oft als Dirigentenstab dient und irgendwie zu seinem Markenzeichen wurde, sondern mit bloßen Händen formend, schraffiert René Jacobs in vertikal wippenden Arm- und Körperbewegungen Glucks «Telemaco»-Musik sozusagen in den Raum. Wobei das Ganze, will man den Vergleich weiterspinnen, eher auf eine zart aquarellierte Zeichnung hinausläuft denn auf hart kontrastierende Tuschmalerei: Den feinen, sprechenden Details gilt die Aufmerksamkeit, der plastischen, elastischen Klangrede.
So tritt Jacobs mit der Akademie für Alte Musik Berlin engagiert für ein recht zwitterhaftes Werk ein. Denn der Theaterenthusiast, Kronprinz und spätere Kaiser Joseph (II.) hatte sich zu seiner Hochzeit 1765 vom Ritter Gluck ein Stück gewünscht, das die Quadratur des Kreises vollziehen und die Seria Metastasio’scher Prägung mit der damals gerade geschaffenen Reformoper kombinieren sollte.
Jeder der beiden Akte erzählt im Grunde seine eigene, von Librettist Marco Coltellini geschickt miteinander verknüpfte Geschichte: Im ersten (nach Homers Odyssee) sucht Telemach nach seinem Vater Odysseus, der sich in den Fängen der zauberischen Circe befindet; im zweiten (nach einer ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard Persché
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