Geflüster im Kornfeld
Die Schreibmaschine ist schön. Weil sie Erinnerungen weckt an eine Zeit, in der Wörter noch gleichsam eingemeißelt wurden. Altes Modell, vielleicht eine Olympia aus den sechziger Jahren. Vor ihr Anna Samuil, in grauer Leinenhose und lindgrüner Bluse, im Schneidersitz, auf dem Boden hin- und herwogend wie ihre Seele. Soll ich? Soll ich nicht? Ja, sie soll.
Und man sieht ihr gern dabei zu, weil die Bildregie von Brian Large bei aller Nähe doch die nötige Distanz des zwar interessierten, aber nicht voyeuristischen Betrachters zur Figur belässt und damit etwas Wesentliches der Regie aufnimmt: Keine der Personen, die mitmachen in diesem Spiel von (nicht nur) tödlicher Langeweile und falsch gerichteter Leidenschaft, wird denunziert. Allen ist das Wichtigste geblieben: Würde.
Andrea Breth ist für ihre Salzburger Inszenierung von Tschaikowskys «Eugen Onegin» im quasi naturalistischen Bühnenbild von Martin Zehetgruber und mit den Kostümen von Silke Willrett viel gelobt, aber auch getadelt worden (siehe OW 9-10/2007). Sieht (und hört) man nun ein Jahr danach die Aufnahme dieses Abends auf DVD, will man Letzteres kaum verstehen. Die Lyrischen Szenen, wie der Komponist selbst seine Schöpfung ...
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John Dews mutiger Versuch, Gustave Charpentiers einst ungeheuer erfolgreiche «Louise» von 1900 zusammen mit ihrer (dramaturgisch und harmonisch) ungleich moderneren Fortsetzung «Julien» (1913) am Dortmunder Theater neu zu entdecken, blieb vor acht Jahren ein Einzelfall – die Vorlieben unserer Ahnen sind eben nur bedingt zu revitalisieren. Im Fall der «Louise» ist...
Vor fünf Jahren bescherte Kent Nagano Berlin an der Lindenoper eine neue «Turandot», die nicht nur aufhorchen ließ, weil das damals noch druckfrische Finale Luciano Berios auf den Notenpulten lag, sondern auch wegen ihres gehärteten, gleichsam trockeneisgekühlten Klangbildes (siehe OW 11/2003). Puccini, der Meister des molto cantabile hatte ausgedient, hier galt...
Noch ist Joachim Schlömer hauptamtlich Kurator von pvc Tanz Freiburg Heidelberg. Aber als Opern- und Schauspielregisseur hat er das Bloß-Choreografieren längst hinter sich gelassen, und deshalb braucht es einen nicht zu wundern, wenn die «Entführung aus dem Serail» Genregrenzen ignoriert und sich am Schluss als ein faszinierendes Forschungsprojekt erweist. Als...
