Violetta im Park
Als es ans Sterben geht, wird es feucht. Nicht nur in den Augen mancher Zuhörer, sondern auch am Himmel. Doch der Wettergott hat ein Einsehen, es tröpfelt nur ein wenig. Keiner der 2000 zahlenden Besucher und der 20 000 erwünschten Zaungäste muss weichen, ehe Violetta Valery ihr Leben ausgehaucht hat. Niemand möchte missen, was Marina Rebeka zu singen hat. Kurzfristig für Anita Hartig eingesprungen, war sie alles andere als zweite Wahl: warmherzig, wohltönend, betörend – ein bisschen wie die junge Anna Netrebko, aber mit mehr Umdrehungen.
Francesco Demuro als höhensicher schwärmender Alfredo und Grandseigneur Thomas Hampson als gestrenger Vater Germont ergänzen in dieser «Traviata»-Aufführung das Star-Trio, hinter dem sich das Restensemble, der Chor und die NDR Radiophilharmonie nicht verstecken müssen. Der Sound ist bemerkenswert gut, und wer nicht einen der (nicht ganz billigen) Plätze auf der Rücktreppe des bürgerprotzigen Neuen Rathauses erstehen wollte, konnte alles gratis auf einer großen Leinwand auf der Wiese daneben erleben.
Zu sehen gibt es eine halbszenische Aufführung (Michael Valentin), die mit wenigen Requisiten (Sofa, Spieltisch, Totenbett, zwei Kronleuchter) die ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Magazin, Seite 96
von Rainer Wagner
Ein starker Start, in jeder Beziehung. Das Badische Staatstheater in Karlsruhe stemmt den vierten «Ring des Nibelungen», seit es 1975 sein neues Haus bezog. Alle zehn Jahre soll ein neuer Anlauf sein. Das Unternehmen lässt sich diesmal mutig an. Wie damals bei Klaus Zehelein in Stuttgart sind’s vier (nun freilich jüngere) Regisseure, die sich ans Werk machen....
Es sollte die letzte Festivalsaison des langjährigen Intendanten sein. Seit 1982 hatte Raymond Duffaut die Chorégies d’Orange geleitet, viele Sternstunden im antiken Amphitheater sind ihm zu verdanken. Doch sein Abschied kam früher als erwartet: Als der rechtsextreme Oberbürgermeister von Orange vor einigen Monaten seine Stellvertreterin als Vorsitzende des...
Der bei Con Brio erschienene Band «Wahnfried. Das Haus Richard Wagners» ist keineswegs, wie man vermuten könnte, ein Katalog der aktuellen Dauerausstellung samt entsprechender Einführung. Sven Friedrich, der amtierende Leiter des Museums, kommt gar nicht zu Wort. Die Herausgeber Markus Kiesel und Joachim Mildner suchen stattdessen die Außenperspektive – durchaus in...
