Das zerissene Land
Mit Fernchören und Signalen aus dem Hintergrund, mit buntem Wechsel von martialischen Trommelklängen, Klagegesängen und poetischen Verinnerlichungen schuf Bellini in «I puritani» ein akustisch vielgestaltiges Panorama. Die Kontraste hat Lorenzo Mariani in seinem Berner Regiedebüt nördlich der Alpen in gut lesbare und auch starke Bilder umgesetzt.
Die Liebe zwischen dem königstreuen Arturo und der Puritanerin Elvira, die einen Lichtbogen über die Schranken des zerrissenen Landes hinwegsetzen soll, siedeln Mariani und Ausstatter William Orlandi in einer Bürgerkriegssituation im Italien des Ersten Weltkriegs an. Die Bilder weisen meist über den aktuellen Handlungsbezug hinaus. So stehen die Klagen des Chors über das traurige Schicksal Elviras, die sich ob der scheinbaren Untreue Arturos in den Wahnsinn flüchtet, zugleich für das eigene maßlose Elend. So kontrastiert die kriegerische Hymne von Giorgio und Riccardo am Ende des zweiten Teils mit dem sinnleeren Kriegstod der Massen im Hintergrund. Schützengräben rahmen einen Festsaal. Der Bühnenboden tut sich auf, Sinnbild gleichermaßen für die Gespaltenheit der irren Elvira wie für jene des durch Bürgerkrieg geschlagenen Volkes. Einzig ...
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Eine Schlüsselpassage in Luigi Nonos Proteststück «Intolleranza 1960» gehört dem Chor: «Lebendig ist, wer das Licht erwartet in den Tagen des schwarzen Sturms». Als der Chor des Saarländischen Staatstheaters das bei der Premiere im September 2004 sang – es war ein regional wie überregional gefeierter Spielzeitauftakt, nicht nur wegen der Bühne des Stararchitekten...
Lucrezia hat keine Chance: Blutschande mit Vater und Brüdern, der Gifttod, den ihre Hand so gern und oft gereicht haben soll – sie ist gerichtet von zahllosen Geschichtsschreibern. Und wenn auch aus Historikersicht wohl an all dem nichts dran ist, so lebt das Ungeheuer Lucrezia Borgia doch fort in unseren Köpfen, kolportiert auch von Victor Hugos Schauspiel und...
Es ist schon ein Kreuz mit Siegfried und Brünnhilde: Hat der jugendliche Held erst einmal seine Tante wachgeküsst, wird von den Darstellern über lange Minuten schauspielerisch viel gefordert. Wie viel man aus dieser brünstig endenden Duett-Szene machen kann, haben Evelyn Herlitzius und Christian Franz dieses Jahr in Bayreuth vorgemacht – wie erschreckend wenig...
