Irrsinn
Das «Lamento» des Federico gehört ins Repertoire aller italienischen Tenöre seit Caruso, doch die Oper, aus der es stammt, Francesco Cileas «L’Arlesiana» (1897), wird selbst in ihrem Ursprungsland kaum noch gespielt. Federico, Sohn der Gutsbesitzerin Rosa Mamai, verliebt sich in eine Frau aus Arles, deren Untreue ihn um den Verstand bringt. Auch die Jugendfreundin Vivetta kann ihn nicht vor dem Selbstmord retten. Die Oper enthält nur wenige dramatische Situationen im Sinne des Verismo, besteht überwiegend aus Erzählungen, Reflexionen, Stimmungsbildern.
Cilea hat nicht nur ein französisches Sujet gewählt, sondern steht auch musikalisch in der Tradition des Drame lyrique. Vor allem die Verwandtschaft zu Massenet ist offenkundig, dessen Werther hier in der zentralen Rolle des Federico einen Seelenverwandten findet.
«L’Arlesiana» liegt in mehreren Audio-Versionen vor, doch diese Produktion aus Jesi, in Zusammenarbeit mit dem Wexford Festival entstanden, ist eine DVD-Premiere. Sie ist szenisch wie musikalisch exemplarisch gelungen. Rosetta Cucchi, als Regisseurin wie als Pianistin erfolgreich, hat das Stück genau gelesen und liefert eine psychiatrische Studie, die von den Sängern auch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Ekkehard Pluta
Ob gesellschaftlicher Underdog oder nicht: Heute weiß fast jeder, wie prekäre Arbeitsverhältnisse aussehen und wie schnell einer in den Wahnsinn getrieben werden kann. So gesehen bietet Alban Bergs «Wozzeck» reichlich Stoff für jeden Regisseur, der auf Vergegenwärtigung aus ist. Doch Christian Tombeil hebt für seine Neuinszenierung am Theater Hof leider nur im...
Was heißt musikalische Moderne? Ich will dieser Frage, angeregt durch das aktuelle Programm des Musikfestes und besonders durch den Schwerpunkt Arnold Schönberg, ein paar aphoristische Gedanken widmen. Eine kleine Etüde gewissermaßen, die den Begriff umspielt. Wie fast jede Etüde beginnt sie in einer festen Tonart, um sich dann für heilsame Verwirrung zu öffnen.
Eig...
Herr Akzeybek, war Singen für Sie schon immer ein Herzenswunsch?
Das hat sich so ergeben. Ich bin als Jugendlicher in Izmir öfter bei Familienfeiern aufgetreten. Irgendwann meinten Freunde, ich solle meine Stimme ausbilden lassen. So habe ich mich um einen Platz am städtischen Konservatorium beworben – und wurde angenommen.
Und da stand fest: Ich will Opernsänger...
