«Es geht nicht um die Wahrheit»

Davon kann man in Deutschland nur träumen: Das Centre de musique baroque de Versailles ediert, weitgehend vom Staat finanziert, seit 1987 barocke Meisterwerke. Knapp fünfzig Opern liegen mittlerweile in modernen Ausgaben vor: heiß ersehntes Futter für Dirigenten wie William Christie, Marc Minkowski, Hervé Niquet oder Christophe Rousset. Bei einem Ortstermin erkundete unser Autor Jörg Königsdorf die Funktionsweise und Pläne des einzigartigen Instituts. Außerdem im folgenden Thementeil: ein Interview mit der Regisseurin, Musikwissenschaftlerin und Tänzerin Sigrid T’Hooft, die sich intensiv mit der Körpersprache des Barocktheaters auseinandergesetzt hat und ihre Ergebnisse in epochemachenden Aufführungen zeigt.

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Sigrid T’Hooft ist Regisseurin, Musikwissenschaftlerin und Tänzerin. Sie gilt als ­Expertin für das barocke Theater. Doch ihre Aufführungen sind mehr als ein Trip in die Vergangenheit. Im Mai 2011 inszeniert sie erstmals eine Oper von Mozart: «Così fan tutte» bei den Schlossfestspielen im schwedischen Drottningholm

 

Frau T’Hooft, auch in der Wiederaufnahme-Saison ist Ihre «Radamisto»-Inszenierung am Badischen Staatstheater Karlsruhe ein absoluter Renner. Haben Sie mit diesem riesigen Erfolg gerechnet?
Nein. Überhaupt nicht.

Das war für mich ein Glücksfall.

Glück gibt es in der guten Kunst aber fast nie. Es gibt nur Können. Und vielleicht noch das Müssen.
Dann sagen wir so: Es war Können und Glück, beides zusammen. Vor allem aber waren die logistischen Bedingungen sehr gut. Es gab eine lange Vorbereitungszeit und die Möglichkeit, dass ich mein Team selbst wählen durfte, inklusive des musikalischen Leiters. Das war für mich außerordentlich wichtig. Wir waren ein Team, das im gleichen Stil arbeitet und ein fast identisches Verständnis von dieser Art, Musiktheater zu machen, hat. Und überdies sind es alles Menschen, die nicht sich selbst in den Vordergrund stellen, sondern die Sache, an ...

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Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Thema, Seite 34
von Jürgen Otten

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