«Es geht nicht um die Wahrheit»
Sigrid T’Hooft ist Regisseurin, Musikwissenschaftlerin und Tänzerin. Sie gilt als Expertin für das barocke Theater. Doch ihre Aufführungen sind mehr als ein Trip in die Vergangenheit. Im Mai 2011 inszeniert sie erstmals eine Oper von Mozart: «Così fan tutte» bei den Schlossfestspielen im schwedischen Drottningholm
Frau T’Hooft, auch in der Wiederaufnahme-Saison ist Ihre «Radamisto»-Inszenierung am Badischen Staatstheater Karlsruhe ein absoluter Renner. Haben Sie mit diesem riesigen Erfolg gerechnet?
Nein. Überhaupt nicht.
Das war für mich ein Glücksfall.
Glück gibt es in der guten Kunst aber fast nie. Es gibt nur Können. Und vielleicht noch das Müssen.
Dann sagen wir so: Es war Können und Glück, beides zusammen. Vor allem aber waren die logistischen Bedingungen sehr gut. Es gab eine lange Vorbereitungszeit und die Möglichkeit, dass ich mein Team selbst wählen durfte, inklusive des musikalischen Leiters. Das war für mich außerordentlich wichtig. Wir waren ein Team, das im gleichen Stil arbeitet und ein fast identisches Verständnis von dieser Art, Musiktheater zu machen, hat. Und überdies sind es alles Menschen, die nicht sich selbst in den Vordergrund stellen, sondern die Sache, an ...
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Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Thema, Seite 34
von Jürgen Otten
Luigi Cherubini? Auch die Fachwelt erinnert sich des Florentiners aus Paris nur sporadisch. Dabei hatte der zu seiner Zeit fast allmächtige Komponist und Direktor des Pariser Conservatoire im letzten Jahr seinen 250. Geburtstag. Sic transit gloria mundi – tatsächlich ist der Ruhm dieser nicht zuletzt für die Entwicklung des modernen Sinfonieorchesters so wichtigen...
Manchmal gibt es merkwürdige Synchronizitäten. Im Juni 2010 widmete sich Claus Guth an der Wiener Staatsoper bereits zum zweiten Mal Wagners «Tannhäuser» und zeigte einen Titelhelden, dem alles Heldische fremd blieb, der vielmehr zwischen Realität und Virtualität gefangen schien und nach diversen inneren und äußeren K(r)ämpfen schließlich im Irrenhaus landete...
Frau Opolais, Sie haben Tatjana in Riga schon in einer früheren «Eugen Onegin»-Inszenierung gesungen. Worin unterscheiden sich die beiden Produktionen?
Der Unterschied liegt vor allem in meinem Gefühl für die Rolle. Die frühere Produktion, die etwa sieben Jahre zurückliegt, war nicht so modern, eigentlich ganz konventionell. Ich war damals fast ganz auf meinen...
