Schlank, wendig, mit Substanz
Der Magnet liegt 60 Kilometer entfernt und übt gerade mit «Aida» und «Macbeth» am Nationaltheater und dem jungen Verdi am Gärtnerplatz große Anziehungskräfte aus. Wie sich also gegen München behaupten? Mit seinem neuen «Don Carlos» gelingt das dem Theater Augsburg locker. Ohnehin hat sich hier seit 2007, dem Amtsantritt von Intendantin Juliane Votteler, Entscheidendes getan. Die Inszenierungsästhetik riecht nicht mehr nach dem früheren Muff. Und obgleich nicht alles gelingt: Es wird geredet bis heiß debattiert übers Stadttheater – das Beste also, was dem Haus passieren kann.
Seit dieser Saison wird Augsburg doppelt interessant, was die Regie zu «Don Carlos» unterstreicht,
indem sie den Dirigenten samt Philharmonischem Orchester auf die (Hinter-)Bühne holt: Dirk Kaftan, zuvor Erster Kapellmeister in Graz und nun neuer Generalmusikdirektor, bestätigt alle Erwartungen. Man spielt die vieraktige Mailänder Fassung, und es gelingt eine Deutung, die so gar nichts mit dem zu tun hat, was die Gehörgänge der meisten Verdi-Fans besetzt hat. Kein schwerlastiger Spätstil ist hier zu erleben: Kaftan blickt aus der Perspektive des mittleren Verdi aufs Stück. Getrieben von einem trockenen, nervigen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Wie kriegt man die Empathie wieder in die Köpfe», fragte Stephan Kimmig, der Schauspielregisseur, vor einem halben Jahr in der Wochenzeitung «Die Zeit». Wie aktiviert man das Mitfühlen der Menschen, elementare Emotionen? Vielleicht hat Kimmig, Jahrgang 1959, auch deshalb zur Oper gefunden – Nikolaus Bachler, Münchens Opernchef, hat ihn vom schauspielerischen...
Fünf Tage später bekam Plácido Domingo mit viel Mediengetöse den (undotierten) Echo-Klassik für sein Lebenswerk. Schön. Aber was besagt das schon? Der Echo-Klassik ist eine Schulterklopf-Party der Plattenindustrie, im Grunde eine Werbeveranstaltung. Und als solche hat er mit Kunst wenig zu tun. Deshalb ist es viel wichtiger, dass Domingo am 13. Oktober im Goldrund...
Kaija Saariahos erste Oper «L’Amour de loin» war ein Auftragswerk der Salzburger Festspiele und kam im Sommer 2000 in der Felsenreitschule heraus, dirigiert von Kent Nagano (siehe OW 11/2000). Fünf Jahre später wurde die Inszenierung von Peter Sellars an der Oper von Helsinki auf DVD mitgeschnitten, nun dirigiert von Saariahos Landsmann Esa-Pekka Salonen. Wie bei...
