Schmerzergreifend
Es schwinden jedes Kummers Falten, solang des Liedes Zauber walten», dichtete Schiller 1795 fast stammbuchhaft. Etwa eineinhalb Jahrhunderte später freilich, nach 1945, galt das Lied vielen Tonschöpfern als antiquiert; sie ließen es allenfalls als Parodie weiterleben. Doch einige der avancierten Komponisten akzeptierten dieses Abdrängen in ein ästhetisches Getto nicht. Zu ihnen zählt Aribert Reimann. Nicht zuletzt als renommierter Liedbegleiter ist er dem Genre zutiefst verbunden; neben eigenen Kompositionen schuf er auch eine Reihe von Transkriptionen.
Für die in diesem Album versammelten Bearbeitungen der Lieder Mendelssohns, Brahms’ und Schumanns wählte Reimann als Begleiter nicht das Klavier, sondern – vielleicht auch beeinflusst durch Schönbergs Opus 10 (1907/08), in dem sich den vier Instrumentalisten ein Sopran zugesellt – ein Streichquartett (wobei das Leipziger Streichquartett sich hier als hervorragender Interpret erweist). Den Mendelssohn-Zyklus von 1996 stellte Reimann aus Heine-Vertonungen des genialen Frühromantikers zusammen; hier schabte er die vermeintlich verbindliche Oberfläche quasi ab und schrieb ein Palimpsest der ironischen Doppelbödigkeit. In acht Liedern – ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Gerhard Persché
Hieße der Komponist nicht Verdi – niemand würde dieses Stück spielen. Weder die 1843 für Mailand als Remake des «Nabucco»-Sensationserfolgs geschriebenen «I Lombardi alla prima crociata» noch die 1847 für Paris umfrisierte Version «Jérusalem». Die für die Neufassung verantwortlichen Librettisten übernahmen das Kreuzzugs-Ambiente, verwandelten aber die Lombarden in...
Europa hat ausgedient. Die blaue Sternenflagge taugt nur mehr als Tischtuch, als Unterlage für fettige Pommes und ein Sixpack Bier. Hamlet und Ophelia sitzen, mampfen und würgen. Zu sagen haben sie sich nichts, das Angebot von früher – «Lass mich dein Herz essen, Ophelia» – interessiert nicht mehr. Die Geschichte: ein Schlachtfeld. Der Mensch: verloren in Trümmern....
Der fruchtbaren Zusammenarbeit der beiden wichtigsten Bühnenkünstler unter Ludwig XIV. – Molière und Jean-Baptiste Lully – haben wir eine eigene Gattung zu verdanken: die Comédie ballet. Im Falle der aktuellen Tourneeproduktion von «Monsieur de Pourceaugnac» präsentiert sie sich eher als Sprechtheater mit musikalischen Einschüben denn als Musiktheater mit...
