Ein Traum
An dem Vorurteil, mit dem die neapolitanischen Seria-Opern Rossinis nach wie vor zu kämpfen haben, hat die 1819 uraufgeführte «Donna del lago» keinen geringen Anteil. Doch während andere Werke aus seiner neapolitanischen Periode («Ermione», «Semiramide») inzwischen ernster genommen werden als noch vor zwanzig Jahren, steht die «Dame vom See» nach wie vor im Ruf eines hoffnungslosen Falls. Wohl auch, weil bislang eine Produktion fehlte, die bewiesen hätte, dass Rossinis Walter-Scott-Adaption mehr ist als eine Koloraturenolympiade in den Highlands.
Wenn das Stück auf den Spielplänen auftaucht, dann meist nur als konzertanter Showcase für durchreisende Starartisten des Rossini-Zirkus.
Ob sich daran nach der neuen Genfer Produktion etwas ändern wird? Zumindest kann jetzt niemand mehr behaupten, das Libretto sei heillos verworren: Auf der Bühne des Grand Théâtre de Genève erzählt Christof Loy das Schottenstück geradlinig als Lovestory zwischen Mauerblümchen und Traumprinzen, deren Gefühle schließlich über alle operntypischen Widerstände wie Väter und Nebenbuhler triumphieren. Fast wirkt die «Donna» wie eine historisch lokalisierte Variante der drei Jahre zuvor geschriebenen ...
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