Lost in Paradise

Der niederländische Komponist Michel van der Aa hat mit «Sunken Garden» die erste Multimedia-Oper in 3D-Technik konzipiert

Opernwelt - Logo

Huiiiiiiiiii. Eine Hand sirrt durch den Dschungel. Trifft auf einen stehenden Zierteich, volles Rohr. Splashshshshshshshsh. Zoooooooooom. In Zeitlupe schießt die Fontäne auf, zerstiebt in Myriaden Tropfen, zu einer Glitzerwolke, die direkt vor unserer 3D-bebrillten Nase tanzt. Ein Naturschauspiel aus dem Computer, perfekte Simulation. Unwillkürlich fühlen wir nach, ob noch alles in trockenen Tüchern ist.

Und fragen uns, ob wir noch auf die Bühne des Barbican Theatre schauen oder schon Michel van der Aas virtuellem Zaubergarten verfallen sind – jenem mit modernster Film- und Digitaltechnik erzeugten traurigen Tropenparadies, das, so steht es im Libretto des Bestsellerautors David Mitchell, Körper und Seele des Menschen einsaugt und sein Gedächtnis löscht, bevor er als Mutant in einem Mottenschwarm endet. Nur so, berichtet eine Therapeutin namens Iris Marinus in zwischen c’ und fis’’ mäandernden forte-Tönen, könne die Schöpferin dieser «okkulten Maschine» für sich und ihre Parallelwelt ewiges Leben sichern. Doch sind wir der mysteriösen Queen dieses verwunschenen Cyber-Parks nicht gerade leibhaftig begegnet? Hatte der flüchtige Schatten, der den vertikalen Wasserspiegel aufwirbelte, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Charlotte, er war's nicht!

Der erste heiße Mainachmittag. Auch wir drohen (ganz kurz nur! ehrlich!) der Versuchung zu erliegen, uns gegen die Französische Revolution zu entscheiden. Für das italienische Eis. Aber ein paar haben es doch ins Mittelsächsische Theater, Zweigstelle Döbeln, geschafft: Die Reihe vor uns etwa hat ein Zwölferrat aus älteren Damen komplett beschlagnahmt, angerückt, um...

Prinzessin mit Turnschuh

Aschgraue Backsteinwände, auf dem Boden ein abgenutzter Teppich, ein paar zersessene Stühle, ein Flügel, altmodische Lampen, ein Kleiderständer. Melancholie durchweht den Raum, die Melancholie der Erinnerungen. Berlioz war hier, Rossini, Wagner, um nur einige zu nennen, damals, als der Salon von Pauline Viardot Stadtgespräch war in Paris. Jetzt sitzt die Dame des...

Geübt wird im Fitnessraum

Die maximal 380 Passagiere der MS Europa haben bei der Wiener Kaffeetafel ungewöhnliche Gäste: Der Wiener Kammersänger Michael Schade und eine internationale Experten-Jury stellen sich ­ihren Fragen. Denn auf der Fahrt von Abu Dhabi über den Oman, vier der Seychellen-Inseln, die Komoren und Madagaskar bis nach Mauritius findet auf dem leise tuckernden Urlaubsschiff...