Der wiedererweckte Held
Jean-Baptiste Lully und sein Librettist Philippe Quinault schufen die Tragédie lyrique, auch Tragédie en musique genannt, als nationales französisches Musiktheater. Bewusst sah man sich als musikalisches Pendant zur klassischen französischen Tragödie von Corneille und Racine, setzte sich von der italienischen Oper ab und strebte ein Gleichgewicht zwischen gereimtem Text, Musik, Kostümen, Tanz, «Maschinierie» usw. an.
Entstammten die Stoffe der ersten Tragédie lyriques noch der Sphäre antiker Götter und Helden, so stiegen Lully und Quinault mit «Amadis» vom Olymp herab: Ludwig XIV. selbst hatte eine Erneuerung des Genres angeregt und für diese Oper einen Stoff angeraten, der sein Sujet von einem mittelalterlichen Ritterroman bezog. Immer noch spielte das Ganze freilich in einer Traumwelt von privaten Händeln, Machtkämpfen und dem endlichen Triumph der treuen Liebe. Nach wie vor war es auch selbstverständlich, im Prolog das Lob des Sonnenkönigs zu singen: Er ruft als «neuer Held» den einst in ritterlichem Kampf getöteten Amadis wieder ins Leben und wird so zum Ursprung der Abenteuer, die der Wiedererweckte nun erneut zu bestehen hat.
Leider machte der Himmel dem Komponisten und dem in ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: CD des Monats, Seite 31
von Detmar Huchting
Meyerbeer und die Grand opéra – in der Musikwissenschaft sind das inzwischen vielbeachtete und -bearbeitete Themen. Die Initialzündung gab 1991 ein Symposium in Thurnau. Seither vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht mindestens eine Konferenz irgendwo auf der Welt speziell den Komponisten oder sein Genre in den Fokus nimmt. Zum 150. Todestag des Berliners taten das...
Die erstaunlichste Erkenntnis beim Braunschweiger «Propheten» (wieder einmal): Die großen Opern Giacomo Meyerbeers sind zu machen, auch an Stadttheatern. Die Chorszenen packen unmittelbar. Die Partitur ist reich an Ohrwürmern. Nach 90 Minuten, sprich: nach dem dritten Akt, geht das in der zweiten Vorstellung nicht übermäßig zahlreiche Publikum den Triumphmarsch...
Draußen scheint der Kampf noch in vollem Gang. Eine Sirene ertönt. Es fallen Schüsse. Ein ewiger Aufschrei, unterbrochen allenfalls von den Marschtritten unzähliger Soldaten. Drinnen im Theater dagegen Totenstille. Erst nach und nach erheben die Gefallenen ihre Stimmen, wortlos weinend in der Finsternis, die sie umgibt. Sie steigen nicht aus den Gräbern, die nach...
