Der Glanz von dunklem Silber

Elizabeth Watts erkundet den musikalischen Esprit Alessandro Scarlattis

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Wenn man ihn des Diebstahls geistigen Eigentums bezichtigte, pflegte Händel sarkastisch zu reagieren: «Diese Dummköpfe», soll er gepoltert haben, «wissen doch gar nichts mit einer guten Idee anzufangen.» Oft lag er damit richtig. Doch Alessandro Scarlatti, dem er nicht nur eine Vielzahl an melodischen Einfällen, sondern auch Vorbilder für die prägnante Gestaltung von Arien, Kantaten und Opern verdankte, tat er mit dem nonchalanten Spruch sicher Unrecht.

So hat er etwa das Thema der Arie «Non so qual più m’ingombra» aus Scarlattis Weihnachtskantate in seinem «Messiah» noch knapper gefasst, gleichsam auf den Punkt gebracht. Wer jedoch meint, das Original deswegen links liegen lassen zu können, verpasst eine weitere wunderbare Eingebung im zweiten Teil: Hier greift Scarlatti das Bild von der im Frost erblühenden Blume auf, um die Kälte, die das Christuskind bedroht, mit kühnen eisig-dissonanten Harmonien zu schildern.

Schon dieses Beispiel zeigt, dass es großen stilistischen Feingefühls bedarf, um sich als Sänger auf überzeugende Weise mit einem reinen Scarlatti-Album zu präsentieren. Elizabeth Watts ist dieses Wagnis eingegangen. Mit «Con eco d’amore» gelingt ihr eine Rehabilitierung ...

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Opernwelt März 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 18
von Carsten Niemann

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