Zeit und Zauber
Sternstunden modernen Bauens bieten sich in Tschechien eher selten. Immerhin lässt sich die «hybride» Gestalt des Antonín Dvorák Theaters in der ostmährischen Industriestadt Ostrava goutieren: Das sanft-unaufdringlich vom stalinistischen Klassizismus markierte Hauptgebäude streckt seine Schaufront der Stadt zu, während die neuen Anbauten sich bescheiden rückwärts halten in Richtung Schlesien und einer Grünfläche, die, je nach dem Grad ästhetischen Wohlwollens, als Park oder als Brache anzusehen wäre.
Das Innere präsentiert sich prunkvoll-hoftheatralisch mit stuckigem Rotgold, Deckengemälde und Lüster. Mehr noch als von diesen blitzenden Renoviertheiten lässt sich der auswärtige Besucher von der sofort ihn umknisternden «Theaterluft» erfassen. Hier, an einer der derzeit rührigsten Opernstätten der tschechischen Republik, ist ein guter Platz für Bohuslav Martinus multimedial-eskapistische Zeit- und Zauberoper «Die drei Wünsche». Das 1928/29 in Frankreich (mit französischem Libretto) entstandene Werk fand sofort internationales Interesse, vor allem auch bei deutschen Dirigierberühmtheiten, wurde aufgrund widriger Umstände dann aber doch erst 1971 in Brünn uraufgeführt. Lyon, die ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Hans-Klaus Jungheinrich
Die Offenbach-Produktion, mit der Simone Young im Herbst 2014 ihre letzte Hamburger Spielzeit eröffnete, war ein großer Publikumserfolg (siehe OW 12/2014). Die Veröffentlichung auf DVD ist eine willkommene Alternative bzw. Ergänzung zu der Pariser Produktion (2000) unter Marc Minkowski und Laurent Pelly (Arthaus). Das französische Duo Renaud Doucet (Regie und...
Im internen Ranking der Verdi-Opern nach Aufführungshäufigkeit steht «Macbeth» nicht ganz oben. Die letzte Neuproduktion der Wiener Staatsoper vor jener heiß umstrittenen durch Vera Nemirova im Dezember 2009 stammte aus dem Jahr 1982. Und jetzt, nach bloß sechs Jahren (und knappen fünf unter Dominique Meyer) bereits wieder eine Neuinszenierung. Warum? Weil die der...
Das Streichersextett spielt die ersten Akkorde, da zerreißt ein Heulton den kammermusikalischen Wohlklang. Fliegeralarm, wie üblich. Die Musiker tragen ihre Geigen und Celli gelassen Richtung Bunker, der Hausdiener klappt routiniert den Deckel des Spinetts zu und wartet die Bomben ab. Wir befinden uns im Jahr 1942, zur Zeit der Uraufführung von Richard Strauss’...
