Katerina im Glashaus

Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» in Amsterdam

Opernwelt - Logo

Was für eine schlichte, sugges­tive, kalte Bühne: ein mit orangefarbenem Teppichboden ausgelegtes Glashaus mit Schiebewänden, schräg in einen von Erde bedeckten, bühnenhohen Raum aus Brettern hineingestellt und hell erleuchtet. Darin eine schöne, elegante Blondine, hinter ihr aufgereiht zwei Dutzend High Heels. Draußen sitzen, links und rechts, echte Schäferhunde.


Der Beginn der Amsterdamer Aufführung von Dmitri Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» deutet ­alles an und verrät doch nichts: Wir sehen einen goldenen Käfig, in dem eine Frau zum Ausstellungsstück degradiert ist, beaufsichtigt von Tieren und später von der Masse. Kein Wunder, dass sich Katerina, die Frau des reichen Kaufmanns Zinovi Ismailov, der unter der Fuchtel seines Vaters steht und an ihr kein Interesse hat, zu Tode langweilt. Wenn dann ein brutaler Prachtkerl wie Sergej in Gestalt des tenoral und physisch auftrumpfenden Christopher Ventris auftaucht, ist kein Halten mehr. Und doch bewahrt Kate­rina, die Holländerin Eva Maria West­broek, Star des Stuttgarter Ensemb­les, mit leuchtend intensivem, farbigem Sopranglanz immer ihre Würde, scheint sie weder vom Mob um sie herum, noch von den Morden, die sie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Donizettis Pariser Entrée

Die Geschichte Marin Falieros, der im Alter von siebzig Jahren zur Dogenwürde gelangte und 1355 wegen eines versuchten Staatsstreichs hingerichtet wurde, hat im 19. Jahrhundert viele Autoren inspiriert. Am bekanntesten wurde die Adaption Lord Byrons von 1821. Doch nicht das Versdrama des Engländers, sondern ein vergleichsweise unbedeutendes Stück von Casimir...

Oper als Integrationsfaktor

Seit 1997 bietet das «Festival Amazonas de Ópera» jährlich ein mit Bedacht gemischtes Programm, darunter nicht nur das gängige Repertoire, sondern etwa im Vorjahr den in grandios konzentrierter Anstrengung gestemmten «Ring»-Zyk­lus, die erste bra­silianische Gesamtaufführung (siehe OW 7/2005). Natürlich finden sich auch Werke einheimischer Komponisten, von Carlos...

Mit Hochdruck

Schon etliche Jahre vor der vom Stalin-Regime verfemten «Katarina Ismailowa» tobte sich Schostakowitsch in «Die Nase» kompositorisch heftig aus. Die absurde, lange vor Kafka von Nikolaj Gogol erdachte Situation eines Nasen(=Identitäts)verlustes kam dem vibrierenden Naturell des Komponisten entgegen, die hysterisch hochschäumenden Vorgänge der Novelle entfesselten...