Rückblicke
Ich bin nicht stolz», sagt Michail Jurowski am Ende seiner «Erinnerungen», die der Henschel Verlag anlässlich seines 70. Geburtstags am 25. Dezember herausgebracht hat. «Ich bin glücklich.» Dabei hat er es wahrlich nicht leicht gehabt in seinem Künstlerleben. Am eindrücklichsten bleiben jene Passagen in Erinnerung, in denen es um den Antisemitismus in der Sowjetunion geht: Jurowskis Großmutter kam bei einem Pogrom ums Leben, sein Vater wurde als Kleinkind so schwer verletzt, dass er ein lebenslanges Rückenleiden davontrug.
Und der 1945 geborene Michail musste selbst immer wieder die Erfahrung machen, dass man als Jude stets «zehn Kilometer weiter hinten antreten musste».
Als er 1971 bei einem Dirigentenwettbewerb antrat, wurde ihm in der zweiten Runde nahegelegt, sich krankzumelden. In Moskau konnte er nur am Stanislawski-Theater arbeiten, das Bolschoi blieb ihm versperrt. Als die Komische Oper ihn 1978 engagieren wollte, wurde von offizieller Stelle verfügt: nur für Ballettaufführungen. Kein Wunder, dass er 1990 die Chance ergriff, in den Westen zu gehen, als bereits 45-Jähriger, mit seiner ganzen Familie, um eine zweite Existenz aufzubauen. Was ihm dank eiserner Disziplin und ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Frederik Hanssen
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