Poesie auf Sägespänen
Eine vollkommen widersinnige Sache sei dies, hat Nikolaus Harnoncourt einmal ironisch gezürnt. Dass sich der Flughafen mit dem Zusatz «W. A. Mozart» schmücke, sei Salzburg, das seinen größten Sohn per Fußtritt aus der Stadt beförderte, nun wirklich nicht erlaubt. Immerhin: Es gibt noch andere Imageträger, und die können schmerzhaft zurücktreten.
Ob die Schwemme am Mönchsberg, der Pegasusbrunnen im Mirabellgarten, der alte Hofstall (ersetzt durch das an diesen Vorläufer erinnernde Große Festspielhaus), nicht zuletzt die Felsenreitschule – alles Auftragswerke jener Erzbischöfe sind das, die ihr Pferdenarrentum in glorioser Renaissance- und Barock-Architektur auslebten.
Für Marc Minkowski, im dritten Jahr Künstlerischer Leiter der Mozartwoche, lag das auf der Hand: Warum nicht beide Verkaufsschlager verbinden und damit einen Kontrapunkt setzen zum üblichen Bouquet dieser Januartage? Alte Bekannte wurden wieder an die Salzach geladen. Harnoncourt mit den Wiener Philharmonikern, Alfred Brendel für ein Round-Table-Gespräch, András Schiff, Pierre-Laurent Aimard mit dem Chamber Orchestra of Europe. Mitsuko Uchida bekam die Goldene Mozart-Medaille, das Thema Oper wurde konzertant ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Markus Thiel
Sie sind schon da, als die Pauke und drei Dissonanzen den Reigen folgenschwerer Missverständnisse eröffnen. Rogoschin, der Dandy. Nastassja, die Umschwärmte. Lebedjew, der Strippenzieher. Und die anderen traurigen Gestalten, die in einem schäbigen Salon fröstelnd darauf warten, dass endlich was passiert. Dass jemand eintritt und die Starre löst, die auf den...
Man kennt ihn gut in Paris. 1988, da war er gerade 34 Jahre alt, wurde Stéphane Lissner Generaldirektor des Théâtre du Châtelet und bescherte dem Haus einen Aufschwung, von dem noch heute mancher schwärmt. Es folgten Leitungsposten u. a. beim Festival d’Aix-en-Provence und – an der Seite Peter Brooks – im Théâtre des Bouffes du Nord. Derweil sehnte man sich in...
Es ist eine alte Geschichte, doch für die Betroffenen bleibt sie stets neu: Ein Mann verlässt seine Frau und nimmt sich eine Jüngere. Aber die Frau rächt sich. Erst will sie die Kinder töten, dann mit dem Mann und dessen neuer Geliebter abrechnen. Schließlich bringt sie sich um. Vincenzo Bellini und sein Librettist Felice Romani haben aus dieser Boulevard-Tragödie...
