Integrationsprobleme
Wenn der fabelhafte John Osborn als Rossinis Otello die Bühne des Theaters an der Wien betritt, stellen wir fest: Kein Blackface. Schwarzer Vollbart, Turban – aber nicht das (heute oft als rassistisch empfundene) schwarz geschminkte Gesicht, mit dem etwa der russisch-jüdisch-amerikanische Jazzsänger Al Jolson am Broadway reüssierte und das für Darsteller wie Laurence Olivier und Mario del Monaco in der Rolle des Mohren von Venedig unerlässlich war.
Denn Regisseur Damiano Michieletto präsentiert diese Figur erst gar nicht als Schwarzafrikaner des Quattrocento, sondern als Araber unserer Zeit. Ethnisch ist das nicht mal verfälscht: Schließlich verweist der Untertitel von Shakespeares Schauspiel etymologisch auf einen «Moor» – also Mauren. Die sesshaften Abkömmlinge der Berber waren zwar ursprünglich keine Araber, wurden aber von diesen islamisiert und verbanden sich mit ihnen.
Wie dem auch sei: Bei Michieletto ist Otello praktizierender Muslim und durchaus integrationsfreudig, sucht er doch das Bürgerrecht Venedigs zu erwerben. Sein Job ist der Erdölhandel – daher wird er auch zum Hoffnungsträger einer wohlhabenden, in diesen Krisenzeiten allerdings verunsicherten venezianischen ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard Persché
Glöckchentöne einer Celesta. Gläserne Klangschlieren. Aus höchsten Fernen, raffiniert gemischt. Im ersten Moment ist kaum auszumachen, dass hier Piccoloflöten schwirren und Violinen flirren. So geht es los. Bald setzt die Stimme ein, behutsam, tastend, auf ruhigem Atem. «Let me tell you how it was», singt Barbara Hannigan, jeden Laut wägend, als suche ihr lyrisches...
Jubilare
Michel Brodard wurde 1946 in Fribourg/Schweiz geboren und studierte Gesang am Konservatorium seiner Heimatstadt. Nach seinem Abschluss mit dem Prädikat «summa cum laude» begann er eine rege Konzerttätigkeit, die ihn u. a. durch die Schweiz, nach Deutschland, Frankreich sowie nach Argentinien führte – vor allem als Interpret von Oratorien, Passionen und...
Das Wort «Sanierung» hat mittlerweile den Beigeschmack der Katastrophe – dafür sorgen Beispiele wie die Kölner Oper oder die Berliner Lindenoper. Jetzt muss auch das Grand Théâtre de Génève hergerichtet werden. Intendant Tobias Richter hat im Laufe seiner Karriere bereits eine Baustelle nahezu unbeschadet überstanden. Als Chef der Deutschen Oper am Rhein löste er...
