Wunder der Akustik

Orange, Chorégies d'Orange, Offenbach: Les Contes d'Hoffmann

Opernwelt - Logo

Ein junger Mann im Orchestergraben hatte die wich­tigste unter den vielen stummen Rollen des Abends. Seine Aufgabe bestand darin, die gerade benutzten Seiten der Dirigierpartitur festzuhalten und gegen die Windstöße des Mistral zu verteidigen. Er machte seine Sache gut. Und auch Michel Plasson war die Ruhe selbst: Er hat mehr Produktionen im Amphitheater von Orange geleitet als jeder andere Dirigent. Wann es auf Schutzmanngesten und simple Koordination im Riesenraum ankommt und wann orchestrales Filigran machbar und hörbar ist, das entschied er mit traumwandlerischer Sicherheit.

Ganz abgesehen davon, dass er es fertig brachte, das Orchester blitzartig auf kleine Wunsch-Ritardandi der Sänger einzuschwören.
Orange, das heißt Oper für neuntausend Zuhörer. Man kommt gegen sieben. Da hat es immer noch über dreißig Grad in der Sonne, und die Altstadt ist ein ein­ziges Restaurant. Tische und Stühle füllen fast jeden Quadratmeter der Gassen. Der Verkauf von Sitzkissen läuft prächtig, und die «Hoffmann»-CD, die kostümierte Händler überall anbieten, ist eine kluge Wahl: die Aufnahme mit Gedda unter Cluytens. Ab Viertel nach neun wird die Masse eine halbe Stunde lang per Lautsprecher auf ihre ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2005
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Tradition und Postmoderne

Am Teatro Colón in Buenos Aires spielten die Werke Richard Wagners schon immer eine wichtige Rolle. Über Jahrzehnte gastierten zahlreiche bedeutende Wagner-Interpreten in der argentinischen Hauptstadt: Felix Weingartner, ­Erich Kleiber, Fritz Busch, Erich Leinsdorf, Otto Klemperer, Fritz Reiner; Kirst­en Flagstad, Astrid Varnay, Frida Leider, Birgit Nilsson,...

Hartes Zigeunerleben

Keinen Zweifel lassen der kanadische Dirigent Yves Abel und Stephen Medcalf, in vielen Inszenierungen ein Meister der psychologisch raffinierten Aussparung, an der Brutalität der Novelle Mérimées, die von Bizet keineswegs in jenen süßlichen Kitsch pseudospanischer Folklore übersetzt wurde, wie eine lange (schlechte) Tradition es gern sieht. Bizet komponiert Szenen...

Vom Grund der Seele

Signora Dessì, Sie werden derzeit als eine der führenden Sopran-Interpretinnen des Verismo gefeiert. Haben Sie eine persön­liche Affinität zu diesem Repertoire?
Ist das so? Ich singe eigentlich die ganze italienische Literatur. Während der letzten Jahre vor allem Verdi und Puccini, daneben auch Cilea, Leoncavallo und Giordano. Wenn ich an frühere Phasen meiner...