Märchenstunde auf dem Lande
Die Hälfte der Opern, die in diesem Sommer in Glyndebourne auf dem Programm stehen, darunter zwei der drei neuen Produktionen, wurden von Regisseuren betreut, die aus der britischen Schauspielszene kommen. Durch Experimentierlust ist keiner von ihnen aufgefallen. «Moderne» Regieperspektiven passen offenbar nicht mehr zum ästhetischen Selbstbild des Festivals. Während der achtziger und neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war das noch anders, gab es gelegentlich durchaus Platz für kontroverse Arbeiten.
Die Inszenierung von Dvoráks «Rusalka» hatte man einer Operndebütantin anvertraut: Melly Still machte sich in Großbritannien mit Kindermärchen nach den Gebrüdern Grimm einen Namen, ihre Einrichtung des preisgekrönten Jugendstücks «Coram Boy» lief am Londoner National Theatre und in New York. Für ihr erste Musiktheaterregie habe sie sich vor allem von Pina Bausch inspirieren lassen, gab Melly Still zu Protokoll. Zu sehen ist davon in ihrer geschäftigen «Rusalka» so gut wie nichts. Statt auf der Bühne in Gestik und Bewegung Elemente einzuführen, die etwa die Entfremdung zwischen der höfischen Welt des Prinzen und der Naturwelt der Nixe ausloteten, begnügte sie sich mit einem ...
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Warum einfach, wenn es auch schwierig geht? Nach diesem Grundsatz scheint sich die Stadt Linz bei den Planungen für ein neues Opernhaus gerichtet zu haben. Dass am Ende dennoch alles gut und die Kapitale Oberösterreichs ein attraktives Gebäude für ihr Musiktheater bekommen wird, darf man jetzt erstmals ernstlich hoffen: Im April erfolgte endlich der erste...
Auf ein Neues! Der Freiburger «Ring» ist auf seiner dritten Station bereits bei seinem dritten Dirigenten angekommen. Fabrice Bollon, seit dieser Saison GMD, wird das Unternehmen auch 2010 zum Zyklus bündeln. Wie er und das propere Philharmonische Orchester Freiburg nun den «Siegfried» ausbreiteten, das ist schlicht bravourös. Diese Wagner-Deutung mag anfangs zum...
Erinnern wir uns. Erinnern wir uns an Helsinki, September 2004. An das Meer, das auf unerklärliche Weise den Weg auf die Bühne der Finnischen Nationaloper genommen hatte, und an diesen transparenten, weiß und schwarz schimmernden Nachen, wie von Lohengrin ersonnen, aber nicht von ihm gezogen, darin ein Mann den Weg zur fernen, ja unsterblichen Geliebten suchte und...
