Thekentheater
Das Leben ist kein Ponyhof? Mag sein. Dafür ist die Opernbühne manchmal ein Bestiarium. Da findet man Ziege, Pferd, Hund und Katze und natürlich jede Menge Vögel, die nicht nur tirilieren, sondern sogar Wagner’sche Reime von sich geben können. Zu Titelrollen haben es aber nur wenige Tiere gebracht: Leos Janáceks «Schlaues Füchslein» zum Beispiel, in diesem Spätwerk aus dem Schattenreich zwischen Tierfabel und Zauberoper.
In der Hamburger Staatsoper blättert Regisseur Johannes Erath statt im Märchenbuch lieber in Handbüchern der Psychoanalyse, Traumdeutung zwischen Poesie und Putzigkeit. Aber weil Erath die Balance weitgehend wahren kann, geht die Rechnung auf: Am Ende gibt es sehr animierten, wenn auch nicht allzu ausdauernden Beifall für alle.
Der Grundeinfall ist nicht ganz neu. Die Geschichte vom alternden Förster, der sich von der frechen Unbeschwertheit und jungen Füchsin zum Träumen verleiten lässt, erzählt die Inszenierung als Thekentheater. Das gab es von Daniel Slater (2003 in Bregenz) bis Andreas Homoki (2011 an der Komischen Oper Berlin) schon öfter, aber selten in dieser Konsequenz. Es beginnt noch vor den ersten Tönen mit einem stummen Vorspiel, in dem der Pfarrer ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Rainer Wagner
Die Verleumdung – la calunnia – sie ist ein Lüftchen … Christian Jost (Jahrgang 1963) muss gar nicht Rossini bemühen, um das zu unterstreichen. In seiner 2012 in Antwerpen uraufgeführten Oper «Rumor» nach Guillermo Arriagas Roman «Der süße Duft des Todes» macht der Komponist das Gerücht zum zentralen Motiv (siehe OW 5/2012). Sein Urheber ist gleichwohl keine Figur...
Die Leistung von Gerard Mortier war nicht nur die Etablierung einer neuen Opernästhetik. Er verstand es auch, für seine Projekte Ressourcen zu erschließen und Menschen zu motivieren. Er brachte Kunst an Orte, die schon verloren oder noch zu entdecken waren: an das weiland arg angestaubte Brüsseler Opernhaus, an die in Repräsentationskultur erstickten Festspiele...
Vor der Ouvertüre wird die Stimme des Regisseurs Pippo del Bono eingespielt. Während er von Mozarts Begräbnis erzählt – del Bono lebt seit über zwanzig Jahren mit der Diagnose Aids und verarbeitet die Auseinandersetzung in seinem Schaffen –, schwebt das Porträt des Komponisten auf dem Vorhang, daneben das von del Bonos Mitarbeiter und Muse, dem taubstummen «Bobò»,...
