Geometrie der Liebe
So machen’s nicht alle, aber viele. Und natürlich nicht nur Frauen, weswegen der Titel «Così fan tutte» als genderpolitisch heikel gilt. Aber auch «Così fan tutti» würde nicht jede(n) befriedigen, ist doch das «i», das für alle Menschen steht, männlich. Eine Diskussion darüber wäre freilich heute obsolet, denn «Così» spiegelt, wie der Regisseur Joachim Herz einmal feststellte, Gefühle und Verhaltensweisen des 18. Jahrhunderts: die Sprache ist jene Metastasios, wenn auch oft parodiert, und die Situationen folgen Rokoko-Klischees.
Dass es sich bei dem Arrangement zwischen Ferrando, Guglielmo und Don Alfonso um eine typische Pissoir-Wette unter Machos handelt, die immer möglich ist, kann nicht darüber hinwegtäuschen.
Wie dem auch sei: Die Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker – die als «belgische Pina Bausch» anzusprechen angeblich nur Lebensmüde wagen – hat sich wie ihr deutsches Äquivalent aufs Panier geschrieben, die Genderverhältnisse geradezurücken. Auch in ihrer Pariser Exegese von Mozarts Oper der (Ver-)Tauscherotik. Ein weißer, beinahe aseptischer Raum, geometrisch strukturiert durch Kreise, Spiralen und Pentagramme, der in reizvollem Kontrast zum Auditorium des Palais ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Gerhard Persché
Eine Oper der stetigen Veränderung. Kaum eine Phrase ist wie die andere. Auch wenn sie ähnlich klingt, der Rhythmus weiterläuft, jede enthält kleine, wirkungsvolle neue Impulse. Philip Glass erzählt in «Echnaton» von einem radikalen Veränderer, jenem Pharao, der sich von der unübersichtlichen Vielgötterwelt lossagte und Aton, den Sonnengott, an ihre Stelle setzte....
Drei Jahrzehnte lang hat Pierre Audi die Nationale Opera in Amsterdam geleitet – eine exorbitante Erfolgsgeschichte. Als Regisseur verabschiedete er sich geradezu bescheiden, dazu nicht einmal im Stammhaus, sondern im am Hafen gelegenen kleineren Muziekgebouw aan’t IJ; genau die richtige Spielstätte für Stefano Landis tragicommedia pastorale «La morte d’Orfeo» von...
Wie das von der Markgräfin Wilhelmine verantwortete Musiktheater aussah, sofern es nicht Opern eines Starkomponisten nachspielte, lässt sich an «L’Huomo» studieren. 1754 kam diese «Festa teatrale» im Markgräflichen Opernhaus heraus – eine Mischform, die Elemente der italienischen Opera seria ebenso aufgriff wie der französischen «Fête en Musique». Von Wilhelmine...
