Es sprechen die Körper
«Ich will nichts Schönes und nichts Logisches», schrieb Manfred Gurlitt über seinen «Wozzeck» an Erika Mann, «ich will die Signale der Entmenschlichung ertönen lassen». Damit war präzise getroffen, was diese 1926 in Bremen uraufgeführte Oper von derjenigen Alban Bergs unterscheidet. Auch Berg geht es um Entmenschlichung; aber in Klang gefasst wird das mit einem maximalen Maß an musikalischer Logik, und Schönheit spielt dabei eine große Rolle.
Gurlitt hält sich enger an die Büchner’schen Szenen, verfugt sie keineswegs durch Zwischenspiele, baut auch keine wohlproportionierten Akte. Er schleudert uns das Leid des Füseliers Wozzeck quasi direkt und mit expressionistischer Wucht entgegen. Das allein schon rechtfertigt jede Aufführung des Stückes. Wer es schafft, Berg zu vergessen, der kann bei und mit Gurlitt einen anregenden Theaterabend erleben.
Gurlitt bezieht etwa die Tonarten Fis-Dur und es-moll kontrastiv und programmatisch aufeinander: Marie und der Tambourmajor einerseits, Wozzeck und der Tod andererseits. Die Tonarten sind denkbar weit voneinander entfernt und lassen sich doch enharmonisch aufeinander beziehen, also analog zur semantischen Aufladung als Zusammenhang hören. Für ...
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