Präzision und Leidenschaft
Vorbei sind die Zeiten, in denen einst klingende Namen wie Antonio Caldara und Leonardo Vinci allenfalls einigen Spezialisten oder besonders leidenschaftlichen Liebhabern der Barockoper vertraut waren. Vor einigen Jahren hat etwa Philippe Jaroussky mit seinem Album «Caldara in Vienna» nachdrücklich auf den großen Wiener Hofkomponisten des frühen 18. Jahrhunderts aufmerksam gemacht, auch an der begeistert aufgenommenen Wiederentdeckung der Oper «Artaserse» von Caldaras Zeitgenossen Vinci war er beteiligt (siehe OW 12/2012 und 5/2014).
Dass Caldara zu den Großen seiner Zeit gehört und eine Begegnung mit seiner Musik sich lohnt, macht die amerikanische Sopranistin Robin Johannsen auf ihrem ersten Soloalbum aufs Schönste deutlich. Zusammen mit der Academia Montis Regalis unter der Leitung von Alessandro De Marchi präsentiert sie einen klug und abwechslungsreich zusammengestellten Querschnitt aus Caldaras Kantaten- und Opernschaffen, der einem klingenden Schatzkästchen gleicht. Die exquisite kompositorische Qualität dieser Musik kann sich in diesen Interpretationen ideal entfalten. Johannsen singt mit schlanker, doch klangvoller Stimme, ausgeglichen in beinahe jeder Lage (nur in ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Thomas Seedorf
Freuds Psychoanalyse ist zwar schon etwas angejahrt, aber der 1920 uraufgeführte Dreiakter «Die tote Stadt» von Erich Wolfgang Korngold, der einen darauf basierenden therapeutischen Prozess zum Thema macht, hat an Attraktivität bis heute nichts eingebüßt. Für die Geschichte vom beziehungsunfähigen Einzelgänger Paul, der von der Fixierung auf seine tote Geliebte...
Es gab einmal eine Zeit, in der sich Sänger und Kritiker so gut wie nie über den Weg liefen, geschweige denn miteinander sprachen. Und wenn sie’s taten, ging’s nicht immer gut. Da schüttete schon mal eine aufgebrachte Diva dem Schreiberling vor Wut ein Glas Wein ins Gesicht – wir alle kennen solche Geschichten. Ich erinnere mich gut an mein erstes Mal. Ich hatte...
Man muss kein Kinderhasser sein, um die Geschichte von der «Frau ohne Schatten» schwer verdaulich zu finden. Selbst wer das Drama des unerfüllten Kinderwunsches ernst nimmt, kann sich überlastet fühlen, wenn zum Schluss der Richard-Strauss-Oper der Chor der Ungeborenen seine Stimme erhebt. Regisseure flüchten da gern mal in die Ironie und lassen die Kinderwagen...
