Bild(er)mächtig
Schönes Foto. Es zeigt, schwarz-weiß in der einen, gelb durchstochen in der anderen Diagonale, die Büste eines Mädchens: etwa zwölf Jahre alt, Lockenkopf mit Seitenscheitel, Sommerkleid, ein hübsches Schleifchen im Haar, Blumen in der Hand, vorwiegend Rosen in verschiedenen Farben. Aber auch Lilien. Was noch stärker irritiert, ist der Blick des Mädchens. Er ist seltsam ernst, streng, ausgehöhlt. So als sei jede Leichtigkeit aus ihrem Leben verschwunden.
Das Foto hängt draußen, vor der Oper, als Plakat für die – man höre und staune – Leipziger Erstaufführung von Alban Bergs «Lulu» in der von Friedrich Cerha vervollständigten Fassung. Drinnen sehen wir das, was sich hinter diesem Foto verbirgt. Eine grausame Missbrauchsgeschichte. Erzählt in verwackelten, übereinanderstürzenden Bildern, ohne Ton und gerade deswegen umso eindrücklicher. Die Bilder, sie brauchen keine Worte, sie sind sprachmächtig genug. Sie zeigen, wiewohl rasend schnell, eindeutig, wie ein Mädchen von seinem Vater in den eigenen vier Wänden zur Prostitution gezwungen wird. Ein Mädchen von zwölf Jahren. Und sicher ist es kein Zufall, dass einer der Herren, die da für Sekundenbruchteile durchs Bild stapfen, jenem Mann ...
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Opernwelt August 2018
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Jürgen Otten
Im Zuge der Wiederentdeckung großer Opernkomponisten des 18. Jahrhunderts hat auch Johann Adolf Hasse, einer der erfolgreichsten und produktivsten unter ihnen, neue Beachtung gefunden. Gesamtaufnahmen seiner Opern sind zwar noch Mangelware, Ausschnitte aus seinen Werken fehlen aber auf kaum einer der einschlägigen Arien-CDs der letzten Jahre.
Die italienische...
Er war ein Romantiker reinsten Wassers. Schon früh hatte Barry McDaniel seine künstlerische Heimat gefunden: in den Liedern von Schumann, Wolf, Brahms, vor allem aber bei Schubert. «Ich fühlte von Anfang an eine tiefe Verbundenheit und eine Seelenverwandtschaft», bekannte er im Begleitheft zur «Winterreise», die er 1972 mit Aribert Reimann in London aufgenommen...
Das Stück ist ein Klassiker des zeitgenössischen Musiktheaters. Um die 500 Aufführungen hat Wolfgang Rihms «Jakob Lenz» seit der Hamburger Uraufführung 1979 erlebt. Zu Recht, glückte doch dem damals 27-Jährigen mit seiner konzentrierten Komposition ein beinahe zeitloser Wurf. Im Grunde ist diese Kammeroper ein einziger großer Monolog für einen in jeder Hinsicht...
