114 Minuten für Big P.
Die Bootsfahrt den Dschungelfluss hinauf, der kindlich-vorfreudige Divo, das linkische Betreten der Bühne, die spontane Arie, dort, im Opernhaus von Manaus, wo einst Caruso gesungen haben soll: Mit dem verzitterten, bislang unbekannten Privatvideo verschießt der Film schon in den ersten Minuten sein wertvollstes Pulver. Neues erzählt «Pavarotti» sonst kaum. Die Perspektive macht’s: Zu Wort kommen seine (oft betrogene) Frau Adua, die Töchter, später seine letzte Liebe Nicoletta, die beiden anderen Drittel der drei Tenöre oder Pop-Star Bono.
114 teils emotionale, teils überflüssige Minuten zwischen TV-Doku, Musikclip-Parade und Heiligenverehrung. Man merkt, dass Regisseur und Oscar-Preisträger Ron Howard («A beautiful Mind») kein Opernexperte ist. Der Film wendet sich weniger an Aficionados, vielmehr an Fachfremde, auf die sich Howards Bestaunen des Massenphänomens locker übertragen dürfte. Was ja passt – Opernhäuser waren für Big P. bald im Mehrfachsinn etliche Konfektionsgrößen zu klein.
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Markus Thiel
Wenn eine Welt, in der Adolf Hitler geradewegs mit Gott identisch ist, auf der Opernbühne reflektiert wird, dann muss sich «Wotan» gar unheilig imperfekt und respektlos auf «Truthahn» reimen. Dann erheben sich rechte Arme nicht nur einfach so immer wieder zum deutschen Gruß stramm himmelwärts. Derlei Gesten aus dunkeldeutscher Zeit werden vom Orchester allzu gern...
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