Glück aus dem Graben
«Die Sitze sind eng, hölzern hart und bemerkenswert unbequem», urteilte der Reiseschriftsteller Horst Krüger 1987 über den «Arbeitsplatz» der Zuschauer im Bayreuther Festspielhaus. Es muss also schon etwas mit den Inhalten zu tun haben, wenn das Publikum nach einer rund sechsstündigen Aufführung emphatisch einen Künstler bejubelt. Und natürlich dessen Leistung. So wie nach der «Tristan»-Wiederaufnahme. Als Christian Thielemann vor den Vorhang tritt, sind alle Strapazen vergessen. Der ganze Saal feiert den Dirigenten, und der – Thielemann bleibt Thielemann – auch sich selbst.
Jedenfalls zelebriert er die zahlreichen Vorhänge, lockt scheinheilig auch noch das zuvor ausgebuhte Regieteam um Katharina Wagner auf die Bühne. Vorhersehbar ohne Erfolg: Das über die Festspielleiterin hereingebrochene Unmutsgewitter war heftig ausgefallen.
Man kann sich da kurz fassen. Kathrina Wagners Inszenierung bleibt auch im zweiten Jahr unbefriedigend. Etwas klarer strukturiert ist der erste Aufzug, im zweiten sehen wir weiterhin eine faschistoide Versuchsanordnung mit tragikomischen Suizidversuchen des Liebespaares. Und der dritte wirkt ob seiner Eindimensionalität erschreckend unreif – Tristan erlebt ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Alexander Dick
Endlich ist er in Russland angekommen: Mieczyslaw Weinbergs «Idiot». Zwar gab es 1991 ein paar Aufführungen an der Pokrovsky Kammeroper in Moskau, doch gespielt wurde damals eine stark gekürzte Fassung, die bald vom Spielplan verschwand. Für das russische Publikum ist Weinberg bis heute eher ein namenloser Filmkomponist als Schöpfer von Klavier- und Kammermusik,...
Sie war vielleicht die letzte echte Hochdramatische des Wagner- und Richard-Strauss-Fachs. Um ihr hohes C musste man nie zittern, und wenn sie auf der Bühne stand, ging stets eine unverwechselbare Aura von ihr aus. Dass Ute Vinzing, 1936 in Wuppertal geboren, am 9. September bereits ihren 80. Geburtstag feiert, wollen wir kaum glauben.
Ihre Karriere begann in der...
Mich treiben heut’ beim Frühstück zwei ganz große Fragen um. 1) Wenn Donald Trump beim Bad im Selbstbräuner zu ertrinken drohte, würde ich ihn retten? 2) Was ist eigentlich heutzutage der Sinn und Zweck von Festivals? Antwort 1 lautet nein. Antwort 2 ist kompliziert.
Neulich hab ich irgendwo gelesen, dass Großbritanniens ältestes Festival – Three Choirs – ins Leben...
