Dämmerstunde
Der andalusische Komponist José María Sánchez-Verdú ist eine internationale Erscheinung: Er studierte in Madrid, Siena und Frankfurt am Main; er schrieb Bühnenwerke in mehreren Sprachen; er lehrt in Zaragoza und Düsseldorf; als Wohnorte gibt er Berlin und Madrid an.
Seine Ästhetik greift weit aus, umfasst aber auch den gleichsam heimatlichen Aspekt der arabischen Kalligrafie, was ihn, zusammen mit dezidierten Raumvorstellungen (Sánchez-Verdús «Raum der Erinnerung» gemahnt an Bernd Alois Zimmermanns «Kugelgestalt der Zeit»), zu einer besonderen, eher abstrakten als gegenständlich-narrativen, jedenfalls nichtlinear-postdramatischen Form von Theater führt.
In seiner neuen Arbeit folgt Sánchez-Verdú musikalisch der Spur seiner Stücke «Gramma», «Aura» und «Atlas», mit denen er auch an mitteleuropäischen Festivalorten Aufmerksamkeit erzielt hatte. Für «Argo» ließ er sich von Gerhard Falkner ein (deutschsprachiges) Libretto schreiben, das Momente griechischer Mythologie (zusammengebracht werden der Argonautenzug, dessen Schiff der Oper den Titel gab, die Orpheus-Sage und die Odyssee) zu einer Folge von tableaux vivants kombiniert. Der Untertitel «Dramma in musica» ist selbstverständlich ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Hans-Klaus Jungheinrich
Der eine ist 45, der andere knapp älter; über die Jahre juveniler Bilderstürmer sind sie beide eigentlich längst hinaus. Und beide, Jérémie Rhorer wie Teodor Currentzis, verströmen nicht nur jugendliches Flair inklusive der trotzig in die Stirn wirbelnden Haarsträhnen, sondern mischen als Mozart-Dirigenten zugleich das traditionelle Bild des gelassenen Klassikers...
Darf ein Countertenor Rossini singen? Die Frage ist so sinnvoll oder so sinnlos wie die nach Bach auf dem Steinway oder – vermutlich hier treffender – die nach Schubert auf dem Cembalo. Natürlich darf er, wenn das künstlerische Resultat überzeugt. Max Emanuel Cenčić überzeugt in den beiden Arien des Malcolm aus Rossinis «La donna del lago», die er schon 2007 auf CD...
Herr Kowaljow, Sie haben als Mechaniker und bei der Feuerwehr gearbeitet, sind auch Soldat gewesen. Sind Sie rein zufällig professioneller Sänger geworden?
Es kam zunächst für mich überhaupt nicht in Frage. Von 1987 bis 1989, also noch zu Sowjetzeiten, diente ich für die Rote Armee am Nordpol und hatte das Kommando über 34 Soldaten. Eigentlich wollte ich meine...
