Heilloses Glück
Zart, delikat, wie aus dem Nichts herbeigezaubert drängt das Vorspiel zum ersten Aufzug in den verschatteten, hermetisch abgeschotteten Raum. Unaufdringlich ziehen Fagotte und Tuben ihre Linien, gleichsam geräuschlos, wie die Ventilatoren, die den Betonbunker Mimes und Siegfrieds belüften. Nicht einmal zum «Hoiho! Hoiho! Hau ein! Hau ein!» des Helden bläst Franz Welser-Möst am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper die Backen auf. Das unbekümmerte Vorwärts, der kraftstrotzende élan vital, die lustspielhafte Scherzo-Geste sind seine Sache nicht.
Eher schon jenes Vergrübelte, stoisch Schöne, das er in der Musik beim Auftritt des Wanderers und im großen Rätseldialog der zweiten Szene am Werk sieht.
In der Tat: Wie Welser-Möst etwa das Ritardando gestaltet, den Klangfluss staut, wenn der naive Naturbursche die Lektionen rekapituliert, die ihm sein Ziehvater erteilte («Vieles lehrtest du, Mime»), hat zwingendes Format. Schon hier findet sich der Wink, dass Siegfried keineswegs bloß kopf- und herzloser Tatmensch, sondern auch (mit)fühlendes Wesen sein kann, durchaus fähig, «das Fürchten zu lernen». Mit anderen Worten: Die stürmische Motorik, von den mittig platzierten Kontrabässen ...
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