Liebestod in der Zeitmaschine
«Tristan» ist in Italien, neben dem üblichen Verdi-Donizetti-Bellini-Rossini-Repertoire, ein eher selten gespieltes Werk. In Neapel war er zuletzt 1973 zu hören – Operngänger unter fünfzig, die nicht reisen, hatten ihn also noch nie auf der Bühne gesehen.
Aber selbst Heuler wie «Traviata», «Aida» oder der «Barbier von Sevilla» müssen, bei höchstens drei oder vier Neuinszenierungen in der Saison und einem winzigen Repertoire, unter Umständen Jahrzehnte auf die nächste Inszenierung warten – mit den großen Zeitabständen hängt sicher auch zusammen, dass die Neigung zu traditioneller, oft banaler Regie vorherrscht. Die Geschichte soll eben verständlich erzählt und nicht gedeutet werden. Umso mutiger, dass Intendant Gioacchino Lanza Tomasi, Sohn des «Gattopardo»-Autors Tomasi di Lampedusa, einen unkonventinellen Regisseur wählte: Lluis Pascal.
Dazu kam, dass der neue Opernchef Gary Bertini seine Visitenkarte auch mit der Werkwahl abgeben wollte. Die verheerende Kulturpolitik der gegenwärtigen Regierung verstärkt das alte Dilemma zwischen Budget-Zwängen, künstlerischem Ehrgeiz und gewerkschaftlichen Forderungen in den italienischen Opernhäusern. Manche sind am Rande des Bankrotts, die ...
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An der Wiederentdeckung des Opernkomponisten Antonio Vivaldi hat «Orlando Furioso» gewichtigen Anteil: Die weltweit ausgestrahlte szenische Produktion dieser Oper anlässlich des Vivaldi-Jahres 1978 mit Marilyn Horne in der Titelrolle machte ein breites Publikum erstmalig darauf aufmerksam, dass Händel nicht der einzige Barockkomponist gewesen ist, der Opern...
Das alte Klagelied der Leichten Muse: Warum gibt es keine neuen, aktuellen Operetten mehr? Immer nur Wien, Wien, nur du allein, und natürlich Offenbach. Der schaute seiner Zeit und deren Gesellschaft bissig-witzig-aggressiv mit intelligenter Musik und pointierten Texten ins Gesicht und kalte Herz. Noch heute amüsiert uns das, die Machart vor allem, denn die...
Die These, die dem neuen Hannoveraner «Tristan» zu Grunde liegt, ist durchaus beunruhigend: Könnte es sein, so scheint Joachim Schlömer sich und das Publikum den ganzen Abend über zu fragen, dass dieses Werk sich am Ende einer glaubwürdigen szenischen Realisierung grundsätzlich verweigert? Dass dort, wo es ohnehin nur um hemmungs- und grenzenlose Gefühle geht, jede...
