Wenn die Musik zum Raum wird

Simon McBurney baut der Zauberflöte in Amsterdam Wunderbrücken, David Hermann treibt ihr in Antwerpen alles Humane aus

Opernwelt - Logo

Die drei punktierten Akkordschläge werden schon vor Beginn der Aufführung eingespielt. Und schon da sind sie mehr als bloß das Einlasszeichen. Sie heben vielmehr den Abstand auf – zwischen Alltagswelt und Zauberstück, zwischen Publikum und Künstlern. Spätestens nach der Pause wird einem das so richtig bewusst, wenn Sarastro, das heißt eigentlich: der Sänger Brindley Sherratt zum Mikrofon greift und den Zuschauern erklärt, wie wichtig diese «Versammlung» sei: «Wir befinden uns in Zeiten der Krise».

Auf einmal begreift man auch, dass diese Konferenz im Amsterdamer Muziektheater, zu der sich Vertreter aus Politik, Kultur und Religion eingefunden haben, uns alle angeht, selbst wenn hier anscheinend nur das märchenhafte Schicksal eines Prinzen verhandelt wird. Welcher «Mensch», so werden sich unter den Anwesenden nicht wenige gefragt haben, unterzieht sich schon aus freien Stücken vergleichbaren Prüfungen, bevor er ein Regierungsamt übernimmt? Wer besitzt Tugend, Verschwiegenheit, ist überdies wohltätig genug, um vor einem hohen Haus bestehen zu können?

Der dreifache Bläserakkord hat Symbolkraft. Er baut die Brücke zwischen dem Leben da draußen und dem Spiel hier drinnen. Dazu passt, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
Editorial Februar 2013

Jetzt ist es also heraus, ein bisschen früher als erwartet, aber nicht unerwartet: Simon Rattle hört bei den Berliner Philharmonikern auf. Fünf Jahre macht er noch den Chef, dann ist Schluss. Wenn sich Rattle 2018 zurückzieht, ist er fast 64 und wieder ein freier Mann. 16 Jahre lang wird er dann bei den Berlinern den Ton angegeben haben (davor, bei «seinem» City of...

«Stimmbänder kann man nicht einfach reparieren»

Herr  Selig, spielen Sie eigentlich noch Orgel?
Ab und an. Aber nicht mehr in der Kirche. Seit ein paar Jahren habe ich zu Hause eine digitale drei-manualige Kirchenorgel. Leider finde ich selten genug Zeit zu spielen.

Was haben Sie von der Orgel fürs Singen mitgenommen?
Direkt vom Instrument wenig.

Vom Kirchenmusiker zum Sänger ist der Weg aber so weit nicht…
Gesungen...

Nicht nur für Nostalgiker

Bis weit in die 60er-Jahre hinein wurden italienische Opern selbst an den größten deutschen Bühnen in der Landessprache gegeben. Entsprechend waren auch auf dem Schallplattenmarkt deutsch gesungene Querschnitte und Gesamtaufnahmen mit einheimischen Künstlern eine echte Alternative zu den Importen mit Callas, Tebaldi & Co. Die von Herbert von Karajan, später auch...