Helle Trauer
Seinen Namen konnten die Italiener nicht aussprechen. Deshalb nannten sie Josef Myslivecek «Il divino Boemo» (Der göttliche Böhme). In Italien war der tschechische Müllersohn zwischen 1764, als er mit seinem Opernerstling «Medea» enormen Erfolg hatte, bis zu seinem Tod 1781 einer der wichtigsten Opernkomponisten. Man liebte vor allem seine melodische Erfindungskraft. Auch Mozart schätzte den Kollegen: «Er ist ein Ehrenmann und wir haben vollkommene Freundschaft miteinander gemacht», schreibt er am 27. Oktober 1770 an seine Frau Constanze.
Wenn das Theater Biel Solothurn seine neue Saison mit Mysliveceks «Antigona» als Schweizer Erstaufführung (und im Schulterschluss mit dem Armel Opera Festival in Szeged) eröffnet, dann zeigt Direktor Beat Wyrsch Mut. Erst ein einziges Mal, 2006 im Rahmen einer Koproduktion der Kammeroper Schloss Rheinsberg und des Nationaltheaters Prag, wurde «Antigona» seit der Uraufführung 1773 wieder gespielt. Das verwundert, enthält das Werk doch alles, was packendes Musiktheater ausmacht: dramatische Konflikte, berührende Melodien und eine farbige Orchesterbehandlung. Es liegt aber auch an der großartigen Bieler Produktion, dass diese «Antigona» nachhaltigen ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Georg Rudiger
Könnte von Eichendorff sein: Ein Graf lebt in einem einsamen Schloss und ist mit der Geisterwelt im Bunde. Doch dann schlägt Byron durch: Manfred leidet selbstmordtrunken schreckliche innere Qualen, hervorgerufen durch die heftige Liebe zu seiner Schwester Astarte. Vergebung ist unerreichbar, Tod sein einziges Verlangen – Erlösung, Notwendigkeit und Konsequenz in...
Robert Wilsons Anhänger beteuern gern, dass der Regisseur in den Opern, die er inszeniere, Tiefenschichten freilege und aktuelle Themen entdecke. Man könnte aber auch sagen, dass der Texaner in seinen Bildern alles bis zum Gefrierpunkt herunterkühlt in seinem Streben nach ritueller Ungerührtheit, wie sie der griechischen Tragödie eigen war – und der Liturgie der...
In Deutschland kennt man Raffaello de Banfield, wenn überhaupt, nur aus Künstlerbiografien als Freund bedeutender Künstler, darunter Herbert von Karajan und Maria Callas. Er war daneben aber ein fruchtbarer und in vielen Genres wirkender Komponist, auch ein erfolgreicher Musikmanager, der von 1972 bis 1996 das Teatro Giuseppe Verdi in Triest leitete. Von 1978 bis...
