Hellsichtig

Los Angeles | Wagner: Siegfried

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«Wer stört mir den Schlaf?» Vom Ruf des Wanderers geweckt, verharrt Fafner vorerst noch unsichtbar in seiner Höhle. Doch beim Dröhnen seiner Stimme erglüht der ganze Zuschauerraum wie im Abendrot. Groß wie ein Berg muss dieser Wurm doch sein! Wenn er dann schließlich auf die Bühne hüpft – an Strippen geführt, wie eine Puppe, mit goldenem Hut, Zigarre qualmend, wie es sich für einen Plutokraten gehört – erscheint er so greifbar klein wie ein halbwüchsiges Krokodil. Für Siegfried ist Fafner ein neues Spielzeug.

Ein Kind ist dieser Siegfried nämlich, und ein Muskelprotz dazu: halb Tarzan, halb Petit Prince. Das gelbe Haar dreht er sich zu aufragenden Büscheln auf. Er trägt eine Zottelhose aus Teddy-Bär-«Fell». Das Gesicht ist kreidebleich, die darauf gemalten Brauen sind hochgezogen, als komme der Held nie aus dem Staunen heraus. Beim Anblick seines blauen, nackten Oberkörpers würde selbst
Arnold Schwarzenegger vor Neid erblassen.
Im dritten Teil des «Ring»-Projekts der Los Angeles Opera – der ersten Inszenierung des kompletten Zyklus in dieser Stadt überhaupt – knüpft Achim Freyer an jenen Theaterzauber an, den er in der vergangenen Spielzeit so brillant mit «Rheingold» und «Walküre» ...

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Opernwelt November 2009
Rubrik: panorama, Seite 52
von Matthew Gurewitsch,Übersetzung:Albrecht Thiemann

Vergriffen
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