Auf den Spuren E. A. Poes

Heidelberg, Staud: Berenice

Opernwelt - Logo

In Heidelberg hat sich die neue Intendanz entschieden, in jeder Saison «die spannendste neue Oper des letzten Jahres» zu präsentieren. Den Anfang macht man nun mit «Berenice», uraufgeführt bei der Münchener Biennale 2004 (siehe OW 7/2004). Der junge österreichische Komponist Johannes Maria Staud und sein Librettist, der renommierte Lyriker Durs Grünbein, haben sich dabei einer Novelle von Edgar Allan Poe angenommen: Literaturoper. Und weil die Sache zudem in einer alten Bibliothek spielt, befürchtet man zunächst viel Staub. Doch die Geschichte erweist sich als operntauglich.

Egäus ist ein blasser Jüngling, der zusammen mit seiner attraktiven Cousine auf einem ehrwürdigen Familiensitz lebt. Er vertieft sich in die alten Folianten statt in die junge Berenice. Sie leidet, er merkt’s nicht. Erst als sie schwer erkrankt und abgezehrt ist, erinnert er sich ihrer Reize. Weil nur ihre Zähne unverändert schön sind, steigert er sich in einen Zahnfetischismus hinein. Das Ergebnis ist grausig: Während er sich an das Kästchen klammert, in dem er ihre zweiunddreißig makellosen Kauwerkzeuge verwahrt, berichtet ein Bediensteter «von der Schändung des Grabes, von dem entstellten, aus den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2006
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Thomas Rothkegel

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zum Heulen komisch

Im Grunde, will man uns Dummies immer wieder weismachen, ist Oper ja nichts anderes als Kino: großes Gefühl, große Bühne, großer Sound. Plácido Domingos L. A. Opera zieht aus dieser populären Annahme ihre eigenen Konsequenzen und engagiert Leute aus der Nachbarschaft.
Zwar hat der «Ring» mit George Lucas’ Spezialeffekt-Firma dann doch nicht funktioniert, weil der...

Allzu vergnüglich

Der Tenor der Pausengespräche war eindeutig: Selten so gut unterhalten. Stimmt: Regisseur Johannes Schaaf lässt das Personal mindestens ebenso munter wirbeln  wie die Drehbühne. Das Timing stimmt, die Pointen da Pontes und Mozarts werden präzise umgesetzt. Schaut man sich zudem die historisierende Ausstattung von Stefan Aarfing an, fragt man sich, ob denn da noch...

Kooperation oder Okkupation?

Die europäische Aristokratie war die Geburtshelferin der Oper. Ohne Fürsten und Könige, die Operntheater errichteten und Aufführungen finanzierten, hätte die Gattung wohl kaum ­jenen Aufschwung genommen, der ihr im 17. und 18. Jahrhundert zuteil wurde. Jeder Fürst, der etwas auf sich hielt, hatte sein eigenes Theater, in dem natürlich auch Oper gespielt wurde. Dass...