Von heute aus gedacht
«Wandrer heißt mich die Welt», singt der alternde Wotan im «Siegfried». Wie in allen wichtigen Figuren seiner Musikdramen steckt auch im Wanderer der Komponist selbst. Im Libretto ist das Wandern allerdings eher ein metaphorischer Akt. Wotan streift ruhelos durch die Welt, nachdem er zum Opfer seiner eigenen Verträge wurde. Machtlos, wie er ist, kann er nicht einmal den jungen Siegfried aufhalten, in Richtung von Brünnhildes Felsen zu stürmen …
Dass Richard Wagner ein ruheloses Wanderleben führte, ist bekannt.
Neben den einschlägigen Biografien gab es immer wieder Bücher und Ausstellungen, die seinen Spuren folgten. Wagners Wanderungen in der Schweiz sind mit einem Buch gewürdigt worden, ebenso seine Aufenthalte in Italien, seine Wege in Mitteldeutschland, in einzelnen Städten, kürzlich sogar seine Familienausflüge ins Bayreuther Umland. Nicht nur Autoren, auch Fotografen haben sich aufgemacht, Stationen seines Lebens einzufangen, deren Besonderheiten nachzuempfinden. Angesichts gern reisender Wagnerianer scheint der Bedarf groß und der Markt unerschöpflich. Natürlich schwankt das Niveau solcher Publikationen. Es reicht von der schlichten Nacherzählung biografischer Fakten bis ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Stephan Mösch
Die Widrigkeiten und Wirrnisse, mit denen viele Kultureinrichtungen in Italien zu kämpfen haben, scheinen das Donizetti Festival in Bergamo kaum zu tangieren. Über einen Zuschauerzuwachs von zuletzt 30 Prozent können sich der Künstlerische Leiter Francesco Micheli und Musikchef Riccardo Frizza freuen. Mehr als die Hälfte der Besucher kommen aus dem Ausland: aus...
Die heilige Jungfrau schweigt. Überlebensgroß, wie ein Mahnmal, thront sie als festlich gekleidete Puppe in der Mitte des leeren weißen, von Bernd Purkrabek sensibel ausgeleuchteten Raums, ein flammend rotes, dornenumkränztes Herz in der Linken, den bedeutsamen Hochzeitsschleier in der Rechten. Neben ihr, im Wasser, liegt eine Nackte, vermutlich entstammt sie dem...
Dass in dem Wort Qualle die Qual enthalten ist, wäre eine kalauernde Erklärung, warum während des Finales im dritten «Figaro-Akt eine gewaltige Medusa mit Tentakeln sich wie ein fahler Mond am Horizont erhebt. Klar, eine Metapher, trotzdem unschön anzusehen, wie die seelische Qual, die sich hier das Hauptpersonal gegenseitig bereitet. Für Programmheftleser...
