Wenn die Augen hören und die Ohren sehen
Der Name ist Programm: Als Matthias Osterwold 2002 in Berlin die erste «MaerzMusik» auflegte, nannte er das Projekt «Festival für aktuelle Musik».
Der schwammige Untertitel beschreibt präzise, worin sich Osterwolds Nachdenken über Stand und Perspektiven zeitgenössischer Klangkunst von jener «Musikbiennale» unterscheidet, die zuvor unter dem Dach der Berliner Festspiele die Fahne der Avantgarde hoch gehalten hatte: weg von den materialfixierten Dogmen der «Neuen Musik» nach Adorno, hin zu einer Öffnung, Mischung und Erweiterung musikalischer Spielformen, die sich aus unterschiedlichsten Quellen speisen. Dass die Zeit ästhetischer Fortschrittsgewissheit einstweilen vorbei und die kompositorische Praxis heute kaum mehr auf den Begriff zu bringen ist, sollte uns nicht schrecken, lautet das Credo der «MaerzMusik»-Macher – im Gegenteil: Das Durcheinander produktiver Energien, der postideologische Stil- und Werte-Pluralismus, die Auflösung hergebrachter Hierarchien zwischen «E» und «U» könnten uns animieren, die Ohren gründlich zu lüften, die Augen zu schärfen, kurzum: die Wahrnehmung immer wieder neu zu justieren.
«Klang Bild Bewegung» – unter diesem Motto stand die zehnte Saison der ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Albrecht Thiemann
Eine knappe Woche vor dem großen Tag fiel die Entscheidung. Kein Anruf bei den Agenturen, keine Fahndung nach einem prominenten Ersatz für die an Lungenentzündung erkrankte Vesselina Kasarova; stattdessen ein Gespräch mit der zum Ensemble gehörenden Mezzosopranistin Tara Erraught. Ein Risiko, gerade im nach Namen lechzenden München: Erraught, die 24-jährige Irin,...
Jules Massenets lange – wie die Titelfigur – ein wenig vernachlässigte «Cendrillon» scheint sich zu einem heimlichen Hit der Saison zu entwickeln. Nach Aufführungen in Paris und Wien wird seinem Aschenbrödel ab Juli auch in London der gläserne Schuh angepasst. Und das dann in einer komisch effektvollen Inszenierung aus Santa Fe, die nächste Spielzeit nach Brüssel...
Dichter und Philosophen feiern Wiederauferstehung in der Oper. Mathias Pintscher belebte Rimbaud, Peter Ruzicka versuchte es mit Paul Celan und Hölderlin, Wolfgang Rihm und Franz Hummel erweckten Friedrich Nietzsche. Über diesen Trend darf spekuliert werden. Ästhetische Relevanz verbindet sich damit keineswegs immer. Rihms, Ruzickas und Pintschers Adaptionen des...
