«Die lustige Witwe» wird hundert
Herbert Wernicke hätte es wohl gefallen, dass sein Basler Bühnenbild für den ersten Teil von Händels «Israel in Egypt», das letzte, das er vor seinem Tod im Frühjahr 2002 noch entwerfen konnte, in der Jubiläums-Inszenierung der «Lustigen Witwe» in Hannover konserviert und produktiv weiterentwickelt wird.
Mit dem Zuschauerraum des Bayreuther Festspielhauses auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters, den er für seinen ebenfalls unvollendet gebliebenen «Ring» (nur «Das Rheingold» konnte er noch fertigstellen) entwarf, hatte er in ähnlicher Weise zitierend gearbeitet wie Tilo Steffens nun mit der klassizistischen, von weißgoldenen Säulen getragenen Rotunde: Wenn Hanna Glawari ihr melancholisches «Vilja-Lied» im Anschluss an den ersten Akt ganz allein auf der Bühne singt, während der Chor nur aus dem Off antwortet, hebt sich die Decke magisch und gibt den Blick frei auf einen Sternenhimmel. Nach der Pause findet die Garten-Grill-Party der Glawari hinter der nun umgedrehten und als negatives Abbild goldglänzenden Rotunde statt – ein surrrealistisches Bild, das mit der modernen Festgesellschaft auf einfachen Stühlen wunderbar kontrastiert. Denn statt der elegant schimmernden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
August von Kotzebue siedelt in seiner Politsatire «Die deutschen Kleinstädter» (1803) das deutsche Spießbürgertum in «Krähwinkel» an. Wer keinen Titel hat, gilt hier nichts. Pavel Eisner hat nach diesem Stoff dem sudetendeutschen Komponisten Theodor Veidl (1885 geboren in Westböhmen, bei Kriegsende als Deutscher interniert und 1946 im KZ Theresienstadt umgekommen)...
Es muss ja nicht gleich alles auf silvestertaugliche Nostalgiebilder hinauslaufen, die Strauß’ «Fledermaus»-Phantasmagorie aus der Spätphase der k. u. k.-Monarchie zur seligen Walzerparade verharmlosen, wenn der in Polka, Galopp und Dreischritt eingeschriebene Hintersinn des Stücks auf der Bühne Gestalt annehmen soll. Jene morbide Wiener Sozietät der Eisensteins,...
Er ist ein Dirigent, wie ihn sich jedes Orchester nur wünschen kann – nicht nur ausnehmend präzise in der Schlagtechnik und von umfassender Werkkenntnis, sondern offensichtlich mit einem Charisma ausgestattet, das Musiker zu Höchstleistungen animiert: der neunundzwanzigjährige Ungar Henrik Nánási. Auch Kollektive großer, renommierter Häuser spielen selten so...
